Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, ^^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats- , behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Gratisbeilage.;
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(Expedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)
^N 58* Samstag, den 10. März 1855.
Ueberblicke der Ereignisse im Gebiete der politischen nnd materiellen Interessen.
Frankfurt, den 10. März. Der Eindruck, den der so unerwartet erfolgte Tod des Kaisers Nicoläus von Rußland gemacht, ist nach den Stimmen, die in der Presse laut geworden, allenthalben ein gewaltiger. Die größte Krisis, die seit Napoleon I. Europa bewegte war einer Entscheidung nahe; da ruft plötzlich der unerbittliche Tod den Fürsten hinweg, der auf der einen Seite des Kampfes mit ungebeugtem Muthe stand. Aber nicht allein der Moment, in welchen das tragische Ereigniß fiel, wirkte erschütternd; auch die Persönlichkeit deö Hingeschiedenen Monarchen und die Folgen, die sich an seinen Tod knüpfen werden, bewegen die Gemüther. In Betreff der ersteren ist hervorzuheben, daß mit Einmüthigkeit dem großen Charakter Nicolaus I. die vollste Anerkennung gezollt wird; die Blätter auch der verschiedensten Parteisarbe stimmen überein in dem Ausdruck der Hochachtung vor dem energischen Willen und der eisernen Consequenz des Abgeschiedenen. Dagegen findet ein Unterschied statt in der Beurtheilung der von Nicolaus befolgten Politik. Die Kölnische Zeitung z. B. betrachtet sie als eine nicht persönliche, sondern durch die geschichtliche Entwickelung Rußlands seit Peter dem Großen vorgeschriebene. Eine Reihe anderer Blätter spricht', wenn auch in anderer Form, dasselbe Urtheil aus; so die „Spenersche Zeitung", die „Nationalzeitung" und „die Zeit." Abweichend davon bezeichnet die „Weserzeitung" die von Nicolaus eingehaltene Politik als eine persönliche, ein Urtheil, das in der Presse bisher wenig vertreten ist. In der „österreichischen Korrespondenz" wird die ehrenhafte, edle Gesinnung des Kaisers hervorgehoben; zugleich spricht das Blatt mit rückhaltloser Offenheit aus, wie viel Dank Oesterreich für die in schwerer Zeit geleistete Hülfe dem hohen Todten schuldig sei. In Betreff der Folgen des Ereignisses sind die Aeußerungen einzelner Blätter noch zurückhaltend und abwartend, in dem größeren Theil der Presse wird indessen dasselbe als für den Frieden günstig gedeutet — theils, weil der jetzige Monarch, da es den Ausbruch des Krieges nicht zu vertreten habe, leichter Frieden schließen könne, theils weil ihm ein weicherer Charakter beigelegt wird. In gleichem Sinne beurtheilten die Börsen das Ereigniß durch ein in Folge desselben eingetretenes außergewöhnlich bedeutendes Steigen der Course, und auch im englischen Ministerium scheint nach den Andeutungen Lord Clarendon'ö diese Ansicht vorzuwalten. Ob sie gegründet, muß freilich abgewartet werden, um so mehr, als eS noch fraglich ist, ob die Westmächte nicht jetzt ihre Ansprüche