Intelligenz-Blatt der freien Sindt Frankfurt, /KH verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats-
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
â 54. Dienstag, den 6. März 1855.
Ueberblieke der Ereignisse tm Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 6. März. Während in England ein Ministerium sich bilden möchte und nicht kann, während in Paris die Unterhandlungen mit Preußen schweben und der Kaiser von Frankreich zu einer weiten und folgenschweren Reise sich anschickt, um vielleicht persönlich mit seinem Gegner auf der Krim zusammenzutreffen, während sonach die europäische Weltlage in stetiger Entwickelung oder vielmehr Verwickelung begriffen ist, bringt der Telegraph, alle Berechnungen zerschneidend, die Nachricht von dem Tode des Kaisers Nikolausvon Rußland. Es ist hier nicht der Ort, das Leben dieses bedeutenden Fürsten zu schildern; nur der Eindruck, den sein Tod in diesem Augenblicke gemacht hat, kann uns jetzt beschäftigen. Die Börse hat ihn als ein Zeichen des Friedens aufgefaßt; die Kurse sind um mehrere Procente gestiegen. Diesem Instinkt der Börse wird man bei ernsterer Betrachtung der Weltlage nicht Unrecht geben können. Der Regierungswechsel in Rußland ist nicht nur ein Wechsel der Person, sondern er kann, soweit sich die Verhältnisse übersehen lassen, auch als ein solcher des Systems betrachtet werden. Nicht nur konnte der verstorbene Kaiser sich persönlich verpflichtet halten, an den Erfolg des von ihm begonnenen Unternehmens alle Kräfte seines großen Reiches zu setzen, sondern ihm, der dem neuen Herrscher Frankreichs die kaiserlichen Ehren vorenthalten, galt auch dessen persönliche Antipathie, ohne welchen die „Integrität der Türkei" in den Tuillerien vielleicht nicht mit so viel Eifer vertheidigt worden wäre. Außerdem ist Kaiser Alerander n. bekannt als Vertreter der Richtung in Rußland, welche auf Mäßigung und innere Verbesserungen des Reiches gerichtet ist. Allem Anschein nach ist also von ihm ein Betreten der Friedesbahn in Wien zu erwarten. Demungeachtet wird vielleicht während der Friedensunterhandlungen keine Waffenruhe vor Sebastopol eintreten und so haben die neuesten Enthüllungen über Entstehung und Verlauf der Krimfahrt ihr Interesse noch nicht verloren. Wir theilen deßhalb aus dèr Broschüre: „Die Kriegführung in der Krim; von einem französischen Generalstabs-Officier", deren Verfasser der Prinz Napoleon sein soll, folgende Einzelnheiten mit: „In dem am 10. August zu Varna abgehaltenen Kriegsrathe waren vier französische Feldherrn: Der Marschall St. Arnaud und die Divisionäre Prinz Napoleon, Canrobert und Boöquet, zwei englische Feldherrn: Lord Raglan und der Herzog von Cambridge, ein englischer und ein französischer Admiral: Dundas und Hamelin anwesend. Den Vorsitz führte St. Arnaud, wel-