ZnteiUgenj-Blatt der freien Stadt /rnnkfnrt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats- beworben, und den Frankfurter Nachrichten als Gratisbeilage.» ^WDHW
(Erpedition: am Geistpförtchcn, SchlachthauSgasse 21.)
Jg 52. Samstag, den 3. März 1855.
Uebepblicke der Greignisse im Gebiete der politischen Hilft materiellen Interessen
SranEfurf, den 3. März. Das Schicksal derTürkei setzt jetzt die Diplomaten Europas in Bewegung; von Berlin aus gehen Unterhändler nach dem Westen, London sendet einen Minister nach Wien, wohin auch der bisherige Bundespräftdialgesandte berufen ist. Verständigung mir Rußland über den dritten der sogenannten Garanticpunkte. Die Sicherung der Türkei gegen ein. russisches Uebergewicht auf dem schwarzen Meere, davon hängt nach den Ansichten der mit Rußland im Kriege begriffenen Staaten der Ausgang der Verhandlungen ab; und doch ist hiermit die Hauptschwierigkeit noch nicht beseitigt, so lange .man.nicht ein Mittel gesunden hat, die in der .Auflösung begriffene Türkei zu seinem lebensfähigen Staate zu machen. Hiervon geschieht aber gerade das Gegentheil. Die.von der Kölnischen Zeitung berichtete, offenbar nur zu wahre Weise, wie Redschid und Consorten den hergebrachten Sitten und mohamedanischen Religions- gebräuchen Hohn sprechen, ist eben nicht geeignet, der europäischen Civilisation in der Türkei Eingang zu verschaffen und zu: der Befestigung derselben beizutragen. Dieselbe dient nur dazu, die Abneigung der Alitürken ^gegen dieselbe zu erhöhen und den Fanatismus derselben zu entflammen. Dieser betrachtet die Unfälle der Westmächte vor Se- bastopol, welche großenthejls auf Rechnung der ungewöhnlichen, für die Waffen der Westmächte so nachtheiligen Witterung Zu sehen Md, als eine Fügung.von Allah, wodurch er seine Mißbilligung der Nnternehmüngen derselben verkündet. Wenn die West- mächte in der Krim eine bedeutende Feldschlacht verlieren, so wird der Fanatismus der Alttürken diesen-Verlust als ein Signal von Allah betrachten, loszuschlagen und die gottlosen Giaurs zu vertreiben. An dieselben werden die Rajahs sich anschließen, weil auf der einen Seite die von den Westmächten angeregten Erwartungen sich nicht verwirklichen und sie daher von denselben nichts hoffen, und auf der andern Seite die Alt- türken, um sie für sich zu gewinnen, denselben weit lieber größere.Privilegien einräumen werden, als sie den Westmächten Concessionen in Beziehung auf die Grund-Prinzipien deS oSmanischm Reiches machen. — So wie die Eroberung von Sebastopol versucht worden ist, ohne den Schwierigkeiten -Rechnung zu tragen, welche seine fortifikatorischen Werke und die Bodenverhältnisse entgegensetzen, ebenso sind alle politischen Plane gefaßt, ohne den Schwierigkeiten Rechnung zu tragen, welche aus dem innern Zustande der Türkei hervorgehen. Man will auch jetzt nicht einsehen, daß der politische Zweck, wel-