Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats- D^M behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Gratisbeilage.^
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(Erpedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
Jfé 38. Donnerstag, den 15, Februar 1855.
Ueberblicke der Ereignèjse Lm Gebiete der politischen und Wateriellen Interessen.
Frankfurt, den 11. Febr. In dem gegenwärtigen Stadium des militärischen und diplomatischen Kampfes gegen Rußland ist in Betreff der eigentlichen Absichten, von welchen die Decemberverbundeten sich bestimmen lassen, eine Ungewißheit eingetreten, welche die „Zeit" in Folgendem näher bespricht. „Was wollen England und Frankreich, und was Oesterreich? Tie westlichen Kabinette haben in ihrer Konvention vom 10. April v. I. ganz besonders erklärt, daß sie den gemeinsamen Krieg gegen Rußland nur für das europäische Vertragsrccht führen, daß sie keine Eroberungen machen wollten. In dem Allianzverlrage mit Oesterreich, vom 2. December v. I., findet fich eine gleiche Klausel nicht. Ein Zufall kann das nicht sein, denn bei diplomatischen Aktenstücken, die lange und sorgfältig erwogen werden, giebt es keine Zufälligkeiten. Die Weglassung dieser wichtigen Einschränkung des westlichen Bündnisses, bei seiner Ausdehnung auf Oesterreich, muß also einen triftigen Grund haben. Welches ist dieser Grund? Könnte man dies beantworten, so würde man wahrscheinlich auch wissen, welches Endziel dem gegenwärtigen Kriege, nach den Absichten der kriegführenden Parteien, zu stecken ist. So aber weiß man das nicht. England und Frankreich schicken immer neue Regimenter nach der Krim, mit dem ausgesprochenen Willen, Sebastopol zu nehmen; Oesterreich hält die Donaufürstenthümer besetzt und gegen die russische Grenze concentrirt es überaus zahlreiche Truppenkörper,- in Wien spricht man laut (ob mit oder ohne Grund, möge dahingestellt sein) von Herbei- ziehUng eines französischen HülfscorpS von 100,000 Mann nach Mähren. Und das Alles zu einer Zeit, wo Rußland friedfertige Absichten dokumentirt, wo es die Bedingungen annimmt, die ihm für die Wiederherstellung deS Friedens gestellt worden sind. Ist es nicht sehr natürlich, daß es an Preußen ist, nach Wien, nach Paris und London die Frage zu stellen: Was wollt Ihr und was ist Euer Ziel? Der Krieg, den England und Frankreich nach selbstständiger Entschließung begonnen, hat schon lange seine ursprüngliche, auf Aufrechterhaltung der europäischen Verträge gerichtete, Tendenz verloren. Es HÄndelt sich stellte bereits um Abänderung der Verträge und was allein noch im Unklaren liegt, ist der Umfang der vorzunehmenden Abänderung. Hierüber, so scheint es, walten noch abweichende Wünsche und Bestrebungen vor, und werm nicht Alles trügt, so ist es auf diesem