Zntelligenz-Blait
der freien Stadt Frankfnrt, verbunden mit dem Amtsblatts Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Gratisbeilage
(Erpedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)
â 32. Donnerstag, den 8. Februar 1855.
Ueberblieke der Greigmsse Lm Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 8. Februar. Der Gegensatz des Mittelmeeres und des atlantischen Meeres in der HandelSgeschichte, lesen wir im zweiten Januarheft der „Minerva", ist uralt. Die griechische und römische Welt und das Mittelalter sehen ihre Geschichte wesentlich rings um das Becken des Mittelmeeres verlaufen. Der indische Handel, dessen Besitz immer für den Schlüssel zu Reichthum und Weltherrschaft gehalten worden ist, hatte im Mittelalter folgende Wege: Die indischen Waaren kamen den Indus heraus, so weit dieser Fluß schiffbar ist, gingen von da zu Lande biS an den Oruö und auf diesem in das kaspische Meer, von da die Wolga herauf, von wo sie zu Lande in den Tanais (Don) getragen wurden. So kamen sie ins schwarze Meer und wurden von Byzantiner Schiffern nach Europa verfahren. Späterhin, als die Italiener (besonders Venetianer und Genuesen) den Handel mit den Mohamedanern in Afrika an sich rissen, brachte man die Waaren aus Indien zu Schiffe in den persischen Meerbusen, dann den Euphrat und Tigris herauf bis nach Bagdad, dann auf Kameelen durch die Wüste von Palmyra nach den Handelsplätzen Aleppo, Tripoli re. und lieferte sie so in die Hände der Europäer. Aber bei der Unsicherheit und Langsamkeit des Caravanenhandels ließ auch dieser beschwerliche Weg einen bessern zu wünschen übrig. Verändert ward er auch wirklich durch die ägyptischen Sultane, die den indischen Handel wieder in den arabischen Meerbusen leiteten und von da die Waaren nach Alerandrien bringen ließen. Von Genua und Venedig gingen die Waaren nun durch die Schweiz und Tyrol nach Lindau, Kempten, Kaufbeuren, Memmingen, welche alle noch Spuren ihrer früheren Blüthe zeigen, nach Augsburg und Nürnberg. Dort theilte sich die Straße, ein Theil ging über Frankfurt rheinabwärts, ein anderer über Erfurt nach Sachsen, Brandenburg, Preußen, Polen 2c. Die Auffindung des Seewegs nach Indien um Afrika änderte bekanntlich dieß Verhältniß durchaus; Amsterdam und London traten an die Stelle von Venedig und Genua; die oberdeutschen Städte verarmten, das Mittelmeer verödete, im Osten von der Seemacht der Türken beherrscht, unter deren Druck jeder Handel erlag, im Westen von Corsaren der Raubstaaten beunruhigt. Noch ist kein Menschenalter verflossen, seit Menschen aus Sicilien und Sardinien von Barbaresken-Seeräubern entführt wurden. Erst unserem Jahrhundert war es vorbehalten, das 300jährige Uebergewicht des OceanS zu brechen. 1821 entfesselte in den Griechen ein neues Handelövolk deS Mittelmeeres, 1830 ver-