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Intelligenz-Blatt

der freien Stadt Frankfurt, ZÖ|X

verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staats- behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Gratisbeilage.!

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(Erpedition: am Geistpförtchen, SchlachthauSgasse 21.)

JK 28. Samstag, den 3. Februar 1855.

Ueberblicke der Greignèsse Lm Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 3. Februar. Wir übergehen heute die brennende Frage der Ge­genwart, die wir in der jüngsten Zeit mehrfach besprochen haben, um einem neu erschie­nenen Büchlein, betitelt: „Zur europäischen Politik im Jahr 1854 in geschichtlichen Ueberlieferungen zusammengesetzt im Januar 1855", dessen Verfasser eben so viel Geist als Kenntniß der Geschichte verräth, folgende vorzugsweise die Zukunft betreffende Stelle zu entnehmen: „Kann Rußland den Krieg noch einige Zeit fortführen, ohne zu weit nach Kiew und Mohilew gedrängt zu werden, so steht 'eS in Zeit von einem Jahre ge­genüber 1) von England mit seinem weiten Gewissen, wenn eS Consols gilt, aber in seinem Innern mit einer mächtigen Stimme für die Vernunft und für den Frieden, einem konstitutionellen Staat, dessen Politik durch die Macht der Rede und durch den Wechsel deS Ministeriums leicht einer Veränderung unterliegt. 2) Frankreich, mit einem drit­ten und vierten Aufruf zu freiwilligen Anleihen an ein Volk, das dem Kaiser seine Stimmen gegeben hat für eine segensreiche, friedliche Regierung, selbst mit einem eiser­nen Scepter, jedoch mit einem seidenen Handschuh, das in seinem Innern in Par­teien zerfallen ist, die im Allgemeinen in der Bitte sich einigen: Sir, geben Sie unS vor Allem wohlfeiles Brod, gewähren Sie unseren Fabriken Arbeit und Absatz und den Dreiprocentigen mit einem dauernden Frieden einen guten Cours. 3) Oesterreich. In welcher Art die Verhältnisse mit Preußen und Oesterreich sich bis dahin gestalten wer­den, ist schwer abzüsehen; der erste Vertrag unter ihnen bezog sich auf die Räumung der Fürstenthümer, die Oesterreicher zogen eine entsprechende Truppenmacht herbei und Preußen versprach eine Hülfsleistung, für den Fall, daß die Oesterreicher angegriffen würden. Die Russen, in der bestimmten Absicht, jede Gelegenheit zu vermeiden, sich neue Feinde. auf den Hals zu ziehen, räumten aus Rücksicht für Deutschland die Do­naufürstenthümer, und Preußen erklärte sich frei von dem ersten Vertrage. Was geschah hierauf von Oesterreich? es verdoppelte seine Streitkräfte an der russisch­polnischen Grenze, häufte ein ungeheueres Kriegsmaterial in Krakau und Przemysl und gab damit ganz entschlossen zu erkennen, an dem Krieg der West- mächte Theil zu nehmen. Nun ergriffen die Russen ernste Gegenmaßregeln; Preußen fragte bei Rußland darüber an, und diese Macht lehnte jede offensive Absicht von sich ab, und beorderte den Stillstand seiner Truppen, während Oesterreich ununterbro-