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Zntelligeuz-Blatt

der freien Stadt Frankfort, z|Sk verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen StaatS- behörden, und den Frankfurter Nachrichten als Gratisbeilage.» ymB j

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)

Jg 24. Dienstag, den 30. Januar 1855.

Ueberblieke der Creègniffe im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, den 30. Januar. Seit länger als drei Jahren haben wir in die­sen Ueberblicken die wichtigsten politischen und materiellen Ereignisse und Zustände der Ge­genwart unsern Lesern vom rein d eutsch en S tandpunkt aus zu schildern versucht. Die Theilnahme, welche unsere Uebersichten gefunden, legt uns die Pflicht der Berichterstat­tung auch dann auf, wenn wir derselben uns lieber überhoben zu sehen wünschten. Dieß ist im gegenwärtigen Augenblick mehr als früher der Fall. Denn es ist kein erfreuli­ches Gemälde, welches wir jetzt aufzurollen haben. Wirsehen unser deusches Vater­land von Neuem durch Zwietracht und Spaltung bedroht; zwei Lager beginnen sich zu bilden und der Ruf: „zu den Waffen" erschallt von Neuem. Diese Wendung, welche die Entwickelung der Ereignisse genommen, mit phrasenhaften Deklamationen zu bedauern, wollen wir Denen überlassen, welche ein Interesse daran haben, die wahre Sachlage zu umschleiern und den Feuerbrand, den sie an unser deutsches Vaterhaus gelegt, mit Baumwolle zu umhüllen. , Um die Spaltung zu heilen, ist vor allen Dingen eine Er­kenntniß ihrer Ursache nöthig. Wir schöpfen dieselbe auS den Zeugnissen, welche die Presse über die Quellen des gegenwärtigen Conflictes bringt. Die Düsseldorfer Zei­tung bringt den Tert einer geheimen österreichischen Depesche vom 14. Januar, welche den deutschen Bundesregierungen gleichzeitig mit dem offenen Rundschreiben von dem­selben Datum zugestellt worden ist. Die Hauptpunkte der geheimen Depesche sind: 1) Oesterreich sichert den deutschen Fürsten eine Garantie deS Besitzstandes und beim Frie- densjchluß Vortheile nach Maßgabe der aufgewendeten Kräfte für die mit ihm verbün­deten Staaten zu, dagegen verlangt es 2) dem Kaiser von Oesterreich die oberste Leitung der Contingente anzuvertrauen. Dieselben sind schon vor einigen Tagen von zahlreichen Organen der Presse mitgetheilt worden, ohne daß eine Widerlegung erfolgt wäre. Dreser Umstand allein kann unS für jetzt bestimmen, den Wortlaut der Note, wie ihn „die Düsseldorfer Zeitung" mittheilt, für ächt zu'halten, trotz des Be- denkens, daß ihr Inhalt eine Sprengung des deutschen Bundes in sich schließt und der KrisgSverfa;sung desselben widerstreitet. Mit dem obigen ausdrücklichen Vorbehalt gehen wir an die Prüfung des Inhaltes jener Depesche. Ueber den oben er­wähnten ersten Punkt sagt die „Weserzeitung": „Die Note des Grafen Buol vom 14. proklamirt für den Fall, wo die europäische Bedeutung dès Bundes aufhören würde,