Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Gratisbeilage.
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
18. Dienstag, den 23. Januar 1855.
Ueberblicke der Greignisfe im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 23. Januar. Da der schon wiederholt vergebens angekündigte Sturm auf Sebastopol ein erschöpftes Thema ist,, und die diplomatischen Schlachtfelder, ebenso wie die militärischen von dichter Schneehülle bedeckt sind, so benutzen viele österreichische Blätter die Spalten zu Lucubrationen über die „Jsolirung Preußens", besorgter um das Wohl dieses StaateS, als die preußische Presse selbst. In seinem Ertra- blatt vom Sonntag den 21. läßt sich ein Blatt dieser Farbe bis zu der Phrase fortreißen, Preußen habe in der „Spaltung" den Frieden gesucht, nachdem es schon in der Samstagsbeilage eine Parallele, welche die Weserzeitung von 1813 und 1855 entwirft, mit Billigung versehen hat. Wir wollen weder auf die historischen Irrthümer und Entstellungen des letzteren noch auf den seltsamen Rechtsgrundsatz des ersten Artikels: daß alle europäischen Angelegenheiten von den fünf Großmächten nach Stimmenmehrheit entschieden werden sollen, hier näher cingehen, sondern den Gedankengang eines Artikels der „Zeit" vom 19. Januar mittheilen, welche diese Angelegenheit uns zu erschöpfen scheint. „Mit der Berechtigung Preußens, sich bei Feststellung europäischer Rechts- und Staatsfragen zu betheiligen, hängt die gerechte Erwartung Preußens enge zusammen, daß man auch won keiner Seite, die das allgemeine Interesse berührende Frage ohne seine Zuziehung zu einem gesonderten Abschlusse bringen werde, Preußen nichts dabei vorbehaltend, als Ja oder Nein zu sagen. Eine solche untergeordnete Rolle verlangen dieselben von Preußen, welche gleichzeitig an seine Großmachtstellung appelliren, die keine Jsolirung zuließe! Preußen hat niemals Schwierigkeiten gemacht, auf der Grundlage des Wiener Palmsonntagsprotokolls mit Oesterreich, England und Frankreich über die Beilegung des orientalischen Streites unter Wahrung des europäischen Interesses weiter zu verhandeln. Noch vor fünf Monaten erklärte es sich bereit, einer neuen in Wien zusammentretenden Konferenz beizuwohnen und instruirte seinen Gesandten in Wien demgemäß. Wenn die Konferenz nicht zu Stande kam, so ist dieß nicht Schuld der preußischen Regierung. Als England und Frankreich in Wien die vier Garantiepunkte ausgestellt, unterstützte Preußen die Annahme derselben in Petersburg und mit Oesterreich schloß es am 26. November den neuen Zusatzartikel zum Aprilvertrag. Was hat man dagegen von der andern Seite gethan? Man hat in Wien auf Grund der Stipulationen, die Preußen mit zu den seinigen gemacht, einen Vertrag geschlossen,