ZntelligenzBlatt
der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Gratisbeilage.
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
^N 16. Samstag, den 20. Januar 1855.
Ueberblicke der Creigniffe im Gebiete -er politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 20. Januar. Bekanntlich ist im nordamerikanischen Kongreß der Antrag gestellt worden, daß die Union in dem durch den russisch-türkischen Conflict veranlaßten Kriege eine vermittelnde Stellung einnehme. Im Fall der Annahme dieses Antrages würde den Bemühungen Preußens für die Wiederherstellung des Friedens ein wirksamer Bundesgenosse erwachsen. Neber diese Bemühungen, so wie über die gesammte Stellung Preußens, namentlich zu Oesterreich, ist vielfach Unrichtiges verbreitet worden, wir geben daher hier die Hauptstellen der österreichischen und preußischen Depeschen vom 24. December und 5. Januar, weil diese am besten die Sachlage charakterisiren. Die Note vom 24. December deS Grafen Buol an den k. f. Gesandten in Berlin beginnt mit Bezugnahme auf den Zusaßartikel vom 26. November und den Bundesbeschluß vom 9. December und geht von der Ansicht aus, wie wünschenSiverth ein Einvernehmen zwischen den beiden Großstaaten wegen der militärischen Erfordernisse des Moments sein würde. Gern hätte die k. f. Regierung eine definitive Antwort der königlich preußischen Regierung wegen deS Beitritts zum December-Verträge abgewartet, um sich darnach zu richten und in den Bundesverhältnissen sich mit Preußen auf gleiche Linie zu stellen; da jedoch die preußische Erklärung nur einen abwartenden Charakter getragen, so bliebe der k. k. Regierung nichts übrig, als sich wegen der zu treffenden Rüstungen an die erwähn- ten Dokumente, namentlich an Art. 3 deS April-Vertrages und 8 2 der gleichzeitigen Militärconvention, zu halten, wonach Preußen, nach eintretendem Bedürfnisse 100,000 Mann in 36 Tagen und eben so viele drei Wochen später an seiner Ostgrenze aufzustellen hätte. In Betracht, daß erst durch gegenseitiges Einverstündniß dieses Bedürfniß sestzustellen ist, sucht die österreichische Depesche daS Vorhanden- sein eines solchen nachzuweisen, falls nämlich nicht. vor Ablauf deS Monats sich eine Aussicht auf Wiederherstellung deS Friedens eröffnete. ES wird sodann die Behauptung aufgestellt, Rußland stehe kampfbereit an der Ostgrenze Oesterreichs und könne in kürze- ster Frist seine Streitkräfte an die obere Weichsel ziehen. Mit besonderer Bezugnahme auf die vom Feldzeugmeister von Heß ausgesprochene Ansicht wird hierauf dargethan, die r. k. Truppen an der Ostgrenze würden erst durch jene 100,000 Mann Preußen eine hinreichende Stärke gewinnen, um den Kampf mit sicherem Erfolg anzunehmen, llebri- genS sei der Feldzeugmeister von Heß der Meinung, selbst im Falle deS Beitritts der preußischen Regierung zum December, Vertrage würde die in der Militärconvention be-