Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Gratisbeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
^N 8. Donnerstag, den 11. Januar 1855.
Ueberblicke der Greignifse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt den 11. Jann ar. Bei der kriegerischen Waffenruhe, welche in der großen Angelegenheit der Gegenwart eingetreten ist, wollen wir einen Rückblick auf den letzten Monat des verflossenen Jahres werfen, wo eine scharfe Alternative die Friedensaussichten plötzlich zu nie geahnter Höhe steigerte und dicht daneben die Frage wegen weiterer Ausdehnung des Krieges mehr denn je in den Vordergrund stellte. Aus die am 26. Nov. zu Wien zwischen Oesterreich und Preußen vollzogene Unterzeichnung des Zusatzartikels zum Aprilvertrage, wodurch Preußen sich verpflichtete, außer dem Gebiete deS österreichischen Kaiserstaates auch die militärische Stellung Oesterreichs in den Donaufürstenthümern zu vertheidigen, folgte am 2. Dec. zu Wien der Abschluß eines Bündnisses zwischen Oesterreich und den Westmächten, dessen Inhalt bekannt ist. Der unerwartete Abschluß dieses Uebereinkommens rief vielfache Ueberraschung hervor. Man glaubt wohl nicht ganz mit Unrecht annehmen zu dürfen, das Wiener Cabinet habe den Einwirkungen eineö gewissen moralischen Zwanges nachgegeben, indem es durch die Zweiselhaftigkeit seines Verhaltens in den Donaufürstenthümern das Mißtrauen der Westmächte erregt habe und von diesen in die Alternative eines ganz unzweideutigen Entschlusses gedrängt worden sei. Was Rußland betrifft, so hatte in Folge neuer Vorstellungen Preußens der russische Gesandte in Wien, Fürst Gortschakoff, von seinem Cabinet die Weisung erhalten, durch thatsächliche Zugeständnisse Rußlands Friedensbereitschaft darzulegen und in Folge davon am 28. Nov. dem Grafen Buol die einfache und vorbehaltlose Annahme der Garantiepuncte von Seiten Rußlands ausgesprochen. Graf Buol erklärte in einer Antwortnote vom 30. seine Bereitwilligkeit,, diese wichtigen Eröffnungen unverweilt zur Kenntniß der Westmächte zu bringen, that dieß aber erst am 3., nachdem am 2. das Bündniß mit den Westmächten unterzeichnet worden. Was Preußen betrifft, so ist constatirt, daß eine österreichische Anzeige von dem bevorstehenden Vertragsabschluß, welche am 28. Nov. von Wien abging, am 1. Dec. dem Ministerpräsidenten von Manteuffel zukam, daß aber dessen am 2. Dec. Morgens erpedirtes telegraphisches Ersuchen an den Grafen Buol: mit der Vollziehung deS Abschlusses noch zu warten, bis auch Preußen im Stande sei, sich über den Inhalt des neuen Vertrages auszusprechen, dessen Abschluß nicht zu verhindern vermochte. Freilich liegt der Gedanke nahe, daß das Wiener Cabinet die neue Stellung zu den Westmächten einnahm und auch Preußen so eifrig in dieselbe hineinzuziehen suchte, um auf diese Weise seine Frie-