Ein Lheil der Garnison in Pesth-Oken hat vorgestern auff telegraphischem Wege Marschbefehl erhalten und begibt sich nach Siebenbürgen und wahrscheinlich in die Fürstenthümer.
Triest, 26. Dec. Der heute eingelaufene Dampfer aus Griechenland brachte die Rachricht vom Wiederausbruche der Cholera zu Athen. Dagegen verminderte sich die Krankheit in Ancona; es ereigneten sich nur noch 5 bis 6 Fälle täglich.
Köln, 27. Decbr. Zur Artillerie, welche schon [fit längerer Zeit auf Kriegsstärke gebracht ist, wurden in diesen Lagcn fernere Mannschaften einberufen; die Reserven des in Deutz in Garnison liegenden Kürassierregiments, welche vor einiger Zeit entlassen wurden, sind wieder zurück beordert worden.
Mannheim, 25. Dec. Einer unserer politischen Flüchtlinge, R. aus Emmen« dingen, der auf Reklamation der großh. Behörden im Rheinbayerischen verhaftet worden war, ist nach Stellung geeigneter Bürgschaft dafür, daß er nach Beendigung seiner dortigen Geschäfte in der Hermath sich stellen werde, auf freien Fuß gestellt worden.
Darmstadt, 28. Dec. Gestern Abend gelangte bei dicht besetztem Hause und unter außerordentlichem Erfolge O. Müller's „Charlotte Ackermann" aus unserer Hofbühne zur erstmaligen Aufführung. Nach mehreren Akten wurden die Träger der Hauptrollen und am Schluß der Dichter stürmisch hervorgerufen; Beifallsbezeigungen, die hier zu den größten Seltenheiten gehören.
Mainz, 27. Dec. Das Wasser des Rheines ist seit einigen Lagen so bedeutend gestiegen, daß dasselbe bereits stellenweise die Ufer und Quais überstiegen hat. DaS Pegel, welches vor vier Lagen noch 10 Fuß Wafferhöhe zeigte, gibt heute Morgen bereits eine Höhe von 15 Fuß an.
Offenbach, 27. Decbr. Gestern Abend ist die hiesige Schiffbrücke wegen hohen Wasserstandes im Main abgefahren worden.
Kassel, 24. Dec. Durch Beschluß des Ministeriums des Innern ist die Nummer 48 der „Gränzboten" im Kurstaate verboten worden.
Die Verwaltung des kurfürstl. hessischen Hausvermögens hat gegen das Testament der Prinzessin Caroline, in welchem die Verstorbene ihre Schwester, die Herzogin von Meiningen zur Umversalerbin eingesetzt hat, Rechtseinspruch erhoben.
Gotha, 24. Dec. Der stadträthliche Beschluß, die hiesige Bürgergarde aufzulö« sen, soll nicht nur die höhere Bestätigung rucht erhalten, sondern auch das Verfahrendes Bürgermeisters dabei, von welchem die Initiative zu jenem Beschluß ausging, an höchster Stelle Mißfallen erweckt haben.
London, 25. Dec. Der Viceadmiral Sir Charles Napier ist, nachdem er in London eine Zusammenkunft mit Sir James Graham gehabt, nach Plymouth zurückgekehrt, hat dort jedoch seine Flagge an Bord des Flaggenschiffs „Duke of Wellington" gestrichen.
Petersburg, 25. Dcc. Fürst Menzikoff meldet vom 16. Dec. Abends, daß bis dahin bei Sebastopol nichts Besonderes vorgefallen war. Das schlechte Wetter hindert die Arbeiten des Feindes, und sein Feuer war nur schwach, vorzüglich das der englischen Batterien.
Petersburg, 23. Dec. Die Großfürsten Nikolaus und Michael sind für einige Zeit nach Petersburg zurückgekehrt, um ihre kranke Mutter zu sehen. Nach den Nachrichten, welche die Großfürsten gebracht haben, hatte sich vor Sebastopol bis zum 15. Dec. nichts Wichtiges ereignet. Die Kanonade dauert in derselben Weise fort. Häufige Ausfälle finden während der Nacht statt und sind mit Erfolg gekrönt.
Belgrad, 19. Dec. Der Nikolaustag, der einer der größten Festtage der Serben ist, Wurde gestern hier zu einer Art von politischer Demonstration benutzt. Am Morgen des Tages (18.) sah man am Flaagenbaum des russischen Consulates, welches seit der schon im Februar d. I. erfolgten Abreise des russischen Generalkonsuls verwaist dasteht, die russische Flagge sich in den Lüsten entfalten, auf welcher die Anfangsbuchstaben der Worte: „Et lebe Nikolaus I., Kaiser der Reußen, der mächtigste Monarch in Europa" standen.