Einzelbild herunterladen
 

Intelligenz-Blatt

der freien MM Frankfnrt.

(Erpeditton: am Teistpförtchm, GchlachthauSgaffe 210

M 307. Donnerstag, den 28. December 1854.

Ueberblick der Greigmfse im Gebiete der politischen und materiellen Interesse«.

Frankkurt, 28. Drcember. Die Fremdenlegion beschäftigt in Ermangelung andern Stoffes immer noch aufs lebhafteste die englische Presse. Man wirft dem Mi­nisterium nicht mit Unrecht vor, daß eS aus -^ner so untergeordneten Angelegenheit eine EabinetSsrage gemacht, welcher Schritt ib^ immerhin nur eine winzige Majorität zw Stande gebracht. Die Mehrzahl der Sutter tadeln den Schritt aus den verschiedensten Gründen, bald, weil sie die englisch Verfassung durch bewaffnete Ausländer bedroht: sehen, bald weil sie in ihrer Anwerbung ein Stngeständniß der Schwäche Großbritannien» erblicken. Die „TingesandtS >zCr einzelnen Blätter sind mitunter theils ergötzlich, theil» ärgerlich durch den barocken Hochmuth der Natton und die fabelhafte Unwissenheit fremder Zustände, welche sich darin -^-spricht. Man will darin den deutschen nicht dem englischen und französischen Soldaten ^x ebenbürtig ansehen, obgleich man andrerseits das Geständnis nicht zurückhalten to^», ^ß Peitschenhiebe bei einer englischen Truppe nicht zu entdchrew sind und Deutschs sich dieselben nicht gefallen lassen. Sine große Unkenntntß der Ge» schichte der altert „königlichen Legion", von der doch fortwährend die Rede ist, gibt sich kund, obgbeiH schon vor mehr als 20 Jahren der englische Major Ludlow Beamish eine Geschichte der Legion nach der Quelle verfaßt hat, wovon eine deutsche Bearbeitung in 2 Bänden zu Hannover bei Hahn 1832 und 1837 erschienen ist. Die ganze Behand- lungSweis e dieser Angelegenheit in der Presse und die Beiwörter, mit denen die Deutschen belegt werden, ist nicht geeignet, große Lust zur Anwerbung zu machen, zumal, da den Mensch en, welche mit ihrem bisherigen Leben zerfallen find und deren einziger Ausweg sonst d/«r Kriegsdienst in der Fremde war, jetzt die Strafte nach Amerika und Australien offen, steht. ES scheint fast aus einigen Andeutungen, als wolle die englische Regierung un^er den deutschen Auâwandern werben lassen, welche jährlich in großer Zahl ihren ^öeg über daS Weltmeer über London und Liverpool zu nehmen pflegen; hier aber würde sie wenig kriegSrrfahrene Leute finden, vielmehr eine große Anzahl, welche gerade, um -dem Kriegsdienst zu entgehen, ihre Heimath verlassen haben. Andrerseits scheint eS, als solle die Schweiz zum StaticnSvlatz englischer Werber erwählt werden. Die Verhält« niffe müssen fich bald aufklären; einstweilen wollen wir einen Blick werfen auf die großen B rschtedenhetten, welche zwischen 1803 und 1855 in Hinsicht auf Bildung einer engltsch- deutschen Legion stattfinden. Pie Regierung von Hannover hatte 1803 nach einem Wi­derstände , der zwei Mann an Todten kostete, die Convention von Suhltngen (am 3. Juni) geschlossen, welche daS ganze Land mit allen Vorräthen, Kaffen, Festungen rc. dem Feinde überlieferte, eine brave Armee auflöste und durch die Unvollständigkeit feiner Be­stimmungen dem Mangel preisgab. Roth und Haß gegen die eingedrungenen Fremden,