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Intelligenz Blatt

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(Expedition: am Teistpförtchen, Schlachthausgaffe 21)

â 300. Dienstag- den 19. December 1854»

Ueberblick der Greigniffe im Gebiets der politische« u«d materiellen Interessen.

Krankfurt, 19. December. (Das Verhältniß Preußens z« Mnßlanö.) Die Schwierigkeit der von Preußen in der orientalischen Frage zu lösenden Aufgabe ist vc» dem Augenblick an, da sich der Knoten derselben zu schürzen begann, durch das unmott» virte Mißtrauen gesteigert worden, mit dem man sein Verhältniß zu Rußland von jeher z« betrachten geneigt war.- Dies Mißtrauen ist seit lange das Produkt einer Abneigung gr« gen Preußen, deren Ursache zu analysiren hier nicht der Ort ist. Es wäre das leicht genug, indessen genügt für unsern Zweck die Gewißheit ihrer Eristenz durch die Folgen, welche sie nach sich gezogen hat. Das Mißtrauen gegen Preußen in Bezug auf fein Verhältniß zu Rußland ist oft zu gelegener Zeit von seinen Gegnern, den bundesfreund. Uchen besonders, benutzt und angefacht worden. Es ist bekannt, daß im Jahre 1843 in Rheinhessen Zeitungen erschienen, in denen Preußen unter der Rubrik „Ausland" al« „vereinigte Staaten von Rußland und Preußen" figurirte. War dies aber auch zu da­maliger Zeit in Folge der durch die Parteileidenschaften erzeugten Verblendung erklärlich und verzeihlich, so ist eS indeffen doch aus guten Absichten weder erklärlich noch verzeih, lich, daß man sich neuerdings bet Gelegenheit der orientalischen Frage sogar in sogenannt ten staatsmännischen Kreisen Deutschlands nicht gescheut hat, Preußen als eine Art russischer Satrapie zu bezeichnen. Die Agitation gegen Preußen in diese« Sinne ist eben so leicht als erbitternd und man hat stch dessen neuerdings wohl erinnert. Es ge­nügt gewöhnlich die bloße Hinweisung auf die Verwandtschaft zwischen den Regenten­häusern, um scheinbar selbstverständliche Eonsequenzen zu ziehen. Und doch kann keinem Herrschergeschlecht der Vorwurf, aus dynastischem Jntereffe das seines Volkes vernach­lässigt oder beeinträchtigt zu haben, mit größerem Unrecht, mit weniger Grund alS ven Hohenzollern gemacht werden. Zur richtigen Beurtheilung dessen gehört nur eine geringe Kenntniß historischer Thatsachen. Daß eS große Mißstände in den Beziehungen Preußens zu Rußland gibt, dessen ist sich die preußische Verwaltung gewiß ebensowohl bewußt als die Bevölkerung der östlichen Provinzen ^ wie diese, und wer ihre ZuÜLnde kennt, weiß, daß man für die Würdigung dieser Mißstände wohl nirgends einsichtigere Beurlh.iler als eben dort finden wird. Richt bloß preußische, sondern allgemein deutsche Interesse» sind davon durch jene Mißstände berührt. Sie entspringen fast ganz allein auS der na« Etlichen Lage deS StaatS und auS dem Umstände, daß er durch den Besitz ehemals polnischer LandeSthetle zu einer gewissen Solidarität mit Rußland in der Behandlung derselben gejwungeNäwurde.z. Was für mißliche Verhältnisse aus dergleichen Solidarttä«