Z«teHige«z Blatt
der freien MM âankfnrL â'
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
M 298. Samstag- den 16. December 1854.
Ueherhlick der Ereignisse im Gebiete der politische« A«d materiellen Interessen.
Frankfurt, 16. Decbr. Nachrichten aus England zufolge, ist man dort, wenn auch nicht so sehr von Seiten der Presse, als von Seiten des Publikums mit dem Vertrage vom 2. December unzufrieden. Daß der Vertrag als unmittelbares Resultat nur die Anknüpfung von Unterhandlungen mit Rußland hat, daß er nicht Oesterreich in die Reihe der kriegführenden Mächte hinüber geführt, das erweckt, wie eS heißt, den grollenden Unmuth des Volkes, dem man es freilich nicht verargen kann, wenn eS wünscht, daß bei der gefährlichen Lage, in welcher die Truppen der Alliirten in der Krim sich befinden, eine nachdrückliche Diversion von Seiten Oesterreichs stattsinde. Die Thronrede, mit welcher die Königin das Parlament eröffnet hat, ist, wie eS scheint, bestimmt, diese Volksstimmung durch die Versicherung zu beschwichtigen, daß die Regierung die Rüstungen kräftig fortsetzen werde. Jndeffen weiß man, wie schwer eS den Engländern wird, ihr Heer auf einen Stand zu bringen, welcher hinreicht, es vor den Gefahren zu schützen, von denen eS in der Krim seiner Schwäche wegen bedroht wird; es zeigt sich hierbei einerseits, daß die Kräfte Rußlands bei dem Unternehmen der Alliirten unterschätzt worden sind, andererseits, daß daS englische Heerwesen bei seiner Verfassung den Seestaat nicht in die Macht versetzt auch zu Lande mit Erfolg zu operiren. WaS aber daS Bedeutsamste: auf das Unwiderleglichste tritt hierbei hervor, daß die Alliirten in ihrem Kriege gegen die russische Landmacht abhängig von Deutschland sind. Wie ganz anders würde der Landkampf sich gewendet haben, mit welcher ungleich größeren, der Alliirten überlegenen Macht würden die Russen in der Krim ausgetreten seyn, wenn nicht Oesterreich durch die drohende, Haltung, welche eS Rußland gegenüber einnahm, dieses genöthigt hätte, den größeren Theil seiner Streitkräfte auf der Linie von Warschau bis Odessa concentriren. Bet dieser Sachlage sind aber auch, so sehr sich der Unmuth des englischen Volkes wegen der Anknüpfung neuer Unterhandlungen erklären läßt, die Borwürfe ungerecht, welche man den Contrahenten des 2. December macht. Die Westmächte bedürf, ten Oesterreichs, dies hat sich ausdrücklich verbindlich gemacht, keine neuen über die vier Garantiepunkte hinaus gehenden Forderungen an Rußland zu stellen, wenn dieses jene Punkte ohne Vorbehalt annehmen. Oesterreich erklärt nämlich in der vertraulichen, an seinen Vertreter in Berlin gerichteten Note vom S. November ausdrücklich: „Wenn Rußland sich zur Unterhandlung auf Basis der vier Punkte bereit erklärt, und würden dann die Westmächte ihrerseits fürFortsetzung des Krieges sich entscheiden, so wârdeOester- reich keine Verbindlichkeiten eingehen, irgend eine neue Forderung zu