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V Berlin. Mannichfache Anzeichen sprechen immer deutlicher dafür, daß .Oesterreich zu dem so sehr -beschleunigten Abschluß des Allianzvertrages vom 2. December vorzugsweise durch sehr entschiedene Erklärungen des englischen und des französischen Kesand- ten bewogen worden ist. Hieraus begreift es sich auch allein, daß vom Wiener Cabinet Die Rücksicht aus den Augen gesetzt werden konnte, vorgängig Preußen? Meinungsäußerung über den gemeinsamen Beitritt.zu der neuen Uebereinkunft einzuhoterr. Diese Formlosigkeit Angesichts der österreichischen Erklärungen vom 9. Nov. scheint hier einigermaßen verletzt zu haben. Wenigstens wird versichert, daß vor Kurzem eine Note unseres Cabinets nach Wien gegangen sey, in welcher Preußen die Rücksichtslosigkeit des österreichischen Vorgehens constatirt.

Die Antwortsadreffe auf die engl. Thronrede wurde heute Mittwoch vom engl. Parla­ment, nach einer stürmischen Sitzung, einstimmig angenommen. — Lord John Russell erklärte, der Allianzvertrag vom 2. Dec. enthalte nichts Präcises. Oesterreich ver­spreche keine Theilnahme am Kriege am Jahresschluß. Nur wenn Rußland den Frieden, aus die bekannten vier Punkte basirt, verweigere, sey es zu einem Offensiv- und Devensiv-Vertrag bereit; bis jetzt aber sey es durch Nichts gebunden.

Die „Zeit" schreibt: Man ist bei unserem Handelsstande der festen Ueberzeugung, daß von unserem Gouvernement noch weitere Summen von Papiergeld ausgrgebm werden können, ohne daß der Credit Preußens dadurch erschüttert werden kann. Es wurden dann die kleineren Bankscheine, welche für den allgemeinen Verkehr von großem Nutzen seyn wür­den, bedeutend vermehrt werden. Um dieses zu können, müßte das Bank-Capital durch Ausgabe neuer Actien um einige Millionen Thaler vergrößert werden. ES schweben für die­sen Zweck bereits Verhandlungen, von deren Resultat es abhängen wird, ob eine Vermeh­rung der Bankscheine von niedrigem Betrage stattfinden wird oder nicht.

•** München. In dem Alter von 80 Jahren starb der pens. Oberst Ferdinand v. Regnier, Ritter des hohen Militär-Max.Joseph-Ordens und der franz. Ehrenlegion — ein würdiger Veteran der bayerischen Armee.

*** Kassel. Bekanntlich war die Wahl der Mitglieder des Vü racrausschusseS, in Folge der neuen Gemeindeordnung, nicht zu Stande gekommen, weil zu wenige stimmfähige Ortsbürger sich dabei betheiligt hatten. Dermalen ist eine neue Wahl, und zwar auf den 14., 15. und 16. d. M., an beraumt, wobei zugleich den Stimmberechtigten mit der Vorladung ein Beschluß kurf. Regierung zugefertigt wird, wonach derjenige Ortsbmger, welcher sich bei dieser Wahl nicht betheiligt, d. h. im Wahltermine nicht erscheint und sein Wahlrecht ausübt, um fünfzehn Silbergroschen gestraft werden soll.

Paris, 12. Dec. (Abends 6 Uhr.) Eine telegraphische Depesche aus London überbringt soeben den Text der Thronrede, mit welcher die Königin Bictoua heute die Session des Parlaments eröffnet hat.

Der Geschäftsträger Frankreichs bei der oètomanischen Pforte hat dem Minister der aus­wärtigen Angelegenheiten folgenden Bericht aus Konstantinopel vom 6. d. überschickt: „General v. Montebello ist gestern Abend angelangt und reist heute nach der Krim ab. Da die Gesundheit des Prinzen Napoleon sich wieder herstellt, so gedenkt Se. kais. Hoh. in eini­gen Tagen abzureisen, um sein Commando wieder zu übernehmen."

Aus Malta vom 3. d. M. wird dem „ Moniteur" gemeldet, daß der Transport von britischen Truppen, von Munitionen und Vorräthen nach der Krim eifrigst fortgesetzt wird und das 14. Linien-Regiment zu Malta den Befehl erhalten hat, sich ^ach dem Oriente einzuschiffen.

In einem Briefe aus Gallipolis vom 1. Decbr. hat die „Patrie" Nachrichten aus der Krim bis zum 28. Nov. erhalten. Am 27. Nov. fiel ein Vorposten-Gefecht vor Seba- stopol vor. Ein russisches Tirailleurscorps, das während der Nacht sich' aus der Festung geschlichen, hatte sich bei Tagesanbruch auf Büchsenschußweite von den französischen Kanonie­ren in Hinterhalt gelegt und ein zwar lebhaftes, doch erfolgloses Feuer eröffnet. Sobald die Wachtmannschaft der Franzosen den Schlupfwinkel des Feindes entdeckt, stürzte sie sich mit ge­fälltem Bajonnet auf ibn und so wurden die Rusten bis auf den letzten Mann niedergemacht,