Intelligenz-Matt
der freien Madt MiMrt ^
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
M 290 Donnerstag § den 7. December 1854.
■ UeberblLE der GreègmiUe im Gebiets der politische« UWh materieVe« ZntereUe«.
Frankfurt, 7. December. Wir haben seinerzeit in diesen Blättern über den ersten Band des trefflichen Werkes r „Heinrich von Sybel, Geschichte der Revolutionszeit von 1789—1795" berichtet. Gegenwärtig liegt die erste Abtheilung deS zweiten Bandes vor, das fünfte und sechste Buch enthaltend, welche die Ueberschriften führen: Beginn deS französisch-englischen Krieges und zweite Theilung Polens. Den tragischen AuSgang der Kämpfe Deutschlands gegen die ihre Grenzen üb rfluthende revolutionäre Propaganda Frankreichs hat besonders das Zusammentreffen der fr 'nzSsischen Revolution mit der gewaltigsten Vertreterin der russischen Eroberungspolitik bewirkt. Der Krieg zwischen Frankreich und England räumte die letzten Schranken weg, welche den Anschlägen Rußlands auf Polen im Wege gestanden, und wieder war eS die Spannung zwischen Oesterreich und Preußen über die polnischen Angelegenheiten, welche die Kriegführung der deutschen Mächte am Rheine lähmte. Der gemäßigte Charakter Leopolds II, und die ritterliche Sinnesart Friedrich Wilhelm II. hatten es möglich gemacht, zur Vertheidigung Deutschlands den Berliner Vertrag vom Febr 1792 abzuschließen, dem keinerlei Eroberungsgedanken zu Grunde lag Der Thronwechsel in Oesterreich brachte aber die alten Anschläge Josephs II. auf den Besitz Bayerns wieder zur Geltung; im Westen sollte Preußen der österreichischen Eroberungspolitik dienstbar werden, während die österreichische Diplomatie im Osten bei den Polen entgegenwirkte, daß Danzig und Thorn an Preußen nicht abgetreten werde. Bei diesem Stande der Dinge siegten die Erinnerungen an die gegensejtDe Stellung Oesterreichs und Preußens, wie sie von 1740—1790 gewesen war, über die wenigen Monate gemeinsamen Zusammenwirkens im I 1792. Durch diese Uneinigkeit stieg Rußlands Einfluß, denn Oesterreich hatte mit der Defensivstellung gegen Frankreich auch die Defensivstellung gegen Rußland aufgegeben. Katharina IL welche ihre Nachbarn zum Kriege gegen Frankreich trieb, ohne die Absicht zu haben, auch nur den kleinsten Theil ihrer Kriegsmacht gegen dasselbe zu verwenden, diese vielmehr für Durchführung ihrer eigenen Entwürfe zusammenhielt, Katharina schloß mit Oestreich am 13. Juli, mit Preußen am 3. August 1792 ein Bündniß, mit Preußen am 23. Januar 1T98, einen Theilungsvertrag über Polen ab. Englands Mißstimmung darüber wurde durch Anerkennung des englischen Seerechts von Seite Rußlands beschwichtigt. Meisterhaft ist Sybel'S Schilderung der polnischen Zustände, deren Kenntniß allein die Ausführung des ThetlungSplaneS, wie er geschehen ist, erklärt. Aber dieser Besitz hat Preußen wenig Segen gebracht. Diese Geschichten find jetzt sehr lehrreich, besonders , wenn man sie, wie hier zum erstenmale geschieht, nach ihrem innersten Zusammenhang dargestellt liest.