JsteHtse»; Blatt
W
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
M 284> Donnerstag, den 30. November 1854. ^^
Ueberblèck der Wreignifse tot Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 30. Nov. Die offizielle „Preuß. Correspondenz" enthält folgende» bemerkenSwerthen Artikel: Die Frage der vier Garantie-Punkte haben wir bisher in ihren allgemeinen Beziehungen zur gegenwärtigen politischen Situation erörtert. Wir kommen auf diesen Gegenstand zurück, um insbesondere die Stellung der deutschen Regierungen zu beleuchten. Zunächst wiederholen wir, daß die auf der G undlage der August-Vorschläge fich bewegenden BermittelungS-Versuche keinesfalls der Einwendung Raum geben, als hätte» sie einen einseitigen Charakter, oder als fehle ihnen der posttive Boden. Wenn wir die vier Garantie-Punkte als die geeignetste Anknüpfung für Friedens -Unterhandlungen bezeichneten, so geschah eS, weil sie einerseits mit der ursprünglichen Veranlassung deS Streites in der nächsten Beziehung stehen, und weil fie andererseits für die Zukunft den Frieden im Orient durch die Bürgschaft der europäischen Großmächte sichern.' DaS preußische Kabtnet hat wiederholt in Petersburg die Ueberzeugung aussprechen lassen, daß nur ein schnelles, aufrichtiges Eingehen auf jene Vorschläge die Aussicht auf eine friedliche Ausgleichung zu eröffnen vermöchte, und eS konnte, unseres BedünkenS, keinen unbestreitbareren Beweis seines Festhaltens an dem Bündnisse mit Oesterreich und an dem Einvernehmen mit wen Westmächten abgeben. Kann man eS unS zum Vorwurf machen, wenn wir annehmen, daß die vier Bürgschaften, nachdem fie (wofür gut verlässige Anzeichen sprechen), die Zustimmung Rußlands erlangt haben, weder in London und Paris, wo fie aufgestellt worden find, noch in Wien, wo man bereit war, fie mit gewaffneter Hand zu unterstütze«, einer einfachen Ablehnung begegnen dürften? Oder will man uns mit einer neuen politischen Logik vertraut machen, nach welcher Vorschläge nur Geltung haben, so lange fie nicht angenommen werden? Wir halten unsererseits die Schlußfolgerung für richtiger, daß die West Mächte nicht umhin können, in der allseitigen Annahme deS von ihnen aufgestellten Programms zugleich eine hohe Genugthuung und eine sichere Gewähr für die Herstellung deS europäischen Gleichgewichts zu finden.
WaS die deutschen Mächte betrifft, so liegt eS auf der Hand, daß fie die Zustimmung deS russischen KabinetS zu den vier Bürgschaften nur mit Befriedigung ausnehmeir könnten. Man darf wohl bei allen BundeS-Regierungen daS aufrichtige Verlangen nach Beendigung eines Krieges voraussetzen, der in seinem weitern Verlaufe den Schauplatz entscheidender Ereignisse an die deutschen Gränzen zu verlegen droht. Andererseits hat stch die Stellung der deutschen Staaten zu den kriegführenden Theilen seit dem Sommer in keiner Weise verändert. Dieselben haben den im Interesse des europäischen Gleich»