Zutelligear-Blatt
der freien MM âankfnrt.
(ExpeditionS-Comptoir am hl. Geistpförtchen M 214«).
M 276. Dienstag, dm 21. November 1854.
Abonnements preis sür'S halbe Jahr st. 2.30 kr. Tägliche Ausgabe außer Montags. Einrück ungSgebühren: 6 fr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.
AbonnementS-Vestellungen auf das JniMgenzLlatt werden täglich in der Erpeditio» angenommen.
Mberblick der Wreignisse im Gebiets der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 21. November. Alle Nachrichten stimmen darin überein, daß eine Einigung der deutschen Staaten über eine gemeinsame Politik in der orientalischen Frage in nächster Zeit zur Verwirklichung gelangen wird. Die Grundlage für eine solche bildet die Preuß. Note vom 30. Oktober, aus welche Oesterreich bereits unterm 9. d. M. eingehend, wenn auch noch nicht erledigend geantwortet hat. Allerdings waltet noch über die diplomatische Form, welche den Verabredungen über die Vertheidigung der österreich. Stellung in den Donaufürstenthümern zu geben ist, eine Meinungsverschiedenheit ob; man darf fich aber um so mehr der Hoffnung hingeben, daß dieselbe in nächster Zeit zur Ausgleichung kommen werde, als nach den jüngsten Kundgebungen des österreich. Kabi- netS ein aggressives Vorgehen gegen Rußland nicht zu erwarten steht. Hierfür sprechen auch die heftigen Vorwürfe, mit welchen die englische Presse jetzt plötzlich gegen Oesterreich zu Felde zieht und die in den Pariser «orresponvenzen der deutschen Blätter enthaltenen Angaben über die Mißstimmung, welche in dem Tuillerien-Cabinet gegen Wien herrscht. Ferner wird in einer Wiener Eorrespondenz deS Journal de Francfort die jetzige Stellung Oesterreichs ausdrücklich als diejenige der „bewaffneten Erspectative' bezeichnet. Diese scheint selbst von Oesterreich als eine dem Frieden zuneigende aufgefaßt zu werden, wenn man die folgenden Thatsachen erwägt: GrafEoronini hat dem Vormarsch der türkischen Truppen aus der Dobrudscha einen entschiedenen Widerstand entgegengesetzt; —> Me Offiziere der galizischen Armee werden beurlaubt, — die angeordnete Rekrutirung ist suspendirt, — die Sanction der Anleihe bei der Caisse mobilière und die Verpfändung der österreich Eisenbahnen ist aufgeschoben. Der diplomatische Ausdruck „Erspectstive« in die Sprache des gewöhnlichen Lebens übersetzt, kann nichts anderes bedeuten, als: Oesterreich hat bis retzt noch nicht den Entschluß eines kriegerischen Vorgehens gefaßt; ob eö demnächst diesen Entschluß fassen wird, das hängt von der weiteren Entwickelung der Dinge ab. Hierfür ist es von Bedeutung, daß Rußland sich bereit erklärt hat, auf der Grundlage der 4 Garantiepunkte über die Herstellung deS Friedens zu unterhandeln. Wir stehen also an der Schwelle einer neuen Reihe diplomatischer Verhandlungen, welch«