Halt. Sie wird gelingen, aber mit welchen Opfern! Als das Dunkel bei dem ersten Bombardement auf das Fort Constantin dem Kampf ein Ende machte, konnte der „Trafalgar" sich dem Geschwader nicht anschließen, weil seine schweren Anker zu fest am Grunde saßen. Capitän Greville erklärte standhaft, daß er seine Anker noch zu brauchen gedenke und nicht preisgeben werde, ließ alle Feuer auslöschen und blieb geschützt von der Dunkelheit fünf Stunden auf seinem Platze, unbemerkt von den Russen, die ihn leicht in den Grund bohren konnten; als er seine Anker auf Deck hatte, verließ er, durch ein Wunder gerettet, seinenjPlatz."
Im Ganzen geht bereits aus den Berichten vom 25. und 26. hervor , daß die Expeditionsarmee längst auf eine höhere Ziffer hätte gebracht werden muffen, und dâß nur die ungewöhnlichste Bravour und wahrhaft riesige Anstrengungen die bisherigen, zwar langsamen, aber doch systematischen Fortschritte ermöglichten.
*** Paris. Der „Moniteur" veröffentlicht eine telegraphische Depesche Lord Raglans vom 6. d., welche der französischen Regierung gestern Abend von dem britischen Botschafter mitgetheilt wurde. Sie berichtet im Ganzen nur schon Bekanntes über die Schlacht vom 5. Die in der Schlacht verwundeten vier englischen Generale konnten (diesem Berichte nach) ihre baldige Wiederherstellung erwarten. Die Depesche Raglan's schließt mit den Worten: „Die Haltung der Truppen dem an Zahl weit überlegenen Feinde gegenüber war bewun- dernswerth."
Der .Courrier de Lyon" meldet, daß die dortige Militärdivision durch den Telegraphen den Befehl erhalten hat, das 18. leichte und das 47., 52. und 73. Linienregiment zum Abmarsche nach dem Oriente in Bereitschaft zu setzen. Diese Truppen werden sofort nach Toulon abrücken, wo sie eingeschifft werden sollen.
Das Artilleriedepot zu Vincennes hat den Befehl erhalten, eine große Anzahl Kanoniere zum Abgänge nach dem Oriente bereit zu halten.
%* Marseille , 16. Nov. (Tel.Dep.) Es werden hier und zu Toulon Vorbereitungen zur Einschiffung der 7. und der 8. Division getroffen. Der „Suffren" und der „Jena" sind hier aus dem schwarzen Meere erwartet.
Berichte aus Balaklava vom 3. d. bestätigen, daß wieder mehrere Schiffe im innern Hafen von Sebastopol in Brand geschossen worden, u. Ä. auch das Linienschiff „Die zwölf Apostel". Der General Kiriakoff soll bei der Beschießung Sebastopols durch eine Kanonenkugel getödtet worden seyn.
Aus Konstantinopel vom 8.d. wird gemeldet, daß daselbst ein Erdbeben stattgefun- den. Eine ägyptische Fregatte hatte bei einem Sturme im schwarzen Meere Schiffbruch gelitten. Die ottomanische Regierung hat neuerdings 80 Kanonen von schwerem Kaliber nach der Krim geschickt.
Der zweite Convoi ägyptischer Truppen, welchen die ungünstige Witterung gezwungen hatten, in den Hasen von Alexandrien zurückzukehren, sollte nach den neuesten Meldungen von dort unverzüglich die Fahrt «nach Konstantinopel wieder antreten.
Madrid, 13. Nov. (Tel. Dep.) Das neueste Bulletin, welches die offizielle Zeitung über den Gesundheitsstand in der Hauptstadt veröffentlicht, ist befriedigend. Die Cortes fahren mit der Prüfung der Wahlen fort.
Wien, 17. Novbr. Die heute mit der Landpost aus Konstantinopel vom 9. d. eingetroffenen Nachrichten melden, daß der Prinz Napoleon dort, an der Dyffenterie leidend, «»gekommen war. — Das Gefecht vom 5. d. bei Sebastopol war in der türkischen Hauptstadt schon bekannt. Die Ruffen hatten nach demselben die Höhen von Balaclava wieder verlassen, Verstärkungen erwartend.
Konstantinopel, 6. Nov. Das ägypt. Vice-Admiralschiff ist gescheitert. — Heute sind 5000 Franzosen, 24 Kanonen, 450 Pferde und 300 Ochsen nach der Krim abgegangen. Der Kriegsminister hat verschiedene Dörfer für Winterquartiere bestimmt. Das 1. franz. Dragonerregiment ist in Adrianopel angelangt, drei andere werden erwartet. 4000 Tunesen sind für die Krim eingeschifft. Die Ruffen stehen noch bei Gumri. In Träpezunt ist die Cholera auögebrochen.