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Intelligenz-Blatt

der freien Stadt Frankfurt.

(Expeditions-Comptoir am hl. Geistpförtchen M 214°.).

M 254 Donnerstag, den 26. October 1854

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Ueberblick der Creigniffe im Gebiete der politische« und materielle« Interesse«.

Keankfurt, 26. October. ES ist ein beliebtes Schlagwort der Allgemeinen Zei­tung geworden, daß eine drohende Haltung GesammtdeutschlandS mehr Ein­druck auf Rußland machen werde, als die furchtbaren Flotten der Seemächte. Wir glauben< daß dieß eine Illusion ist, wenn man darunter versteht, daß die Drohung des Krieges schon den Krieg beenden und den Frieden herbeisühren werden. Der Charakter des Kaiser RicolauS, die traditionelle Ausdauer der russischen Regierung, die religiöse Aufregung des Volkes, — alles spricht dafür, daß Rußland die Pause, welche der Winter in der Kriegführung zur Gee nothwendig eintreten läßt, dazu benutzen werde, einen recht ernsten und nachdrücklichen Landkrieg gegen Deutschland zu führen. Die Ratur deS Landes gestattet Rußland, selbst wenn eS auf den altmoSkowitischen Con- tinent beschränkt wäre, die Möglichkeit eines langwierigen VertheidigungSkriegeS, zu dessen Verlängerung die Lockung um so größer ist, als Rußland dabei die Möglichkeit erblickt, die Allianz seiner Gegner sich lockern zu sehen, besonders das Bündniß seiner Hauptfeinde, welche, nachdem sie sechs Jahrhundert sich feindlich bekämpft, seit sechs Monaten als Freunde zusammenstreiten. ES sind aber nicht diese Erwägungen, welche die Politik Deutsch­lands allein zu letten haben, sondern eS kommt die Betrachtung hinzu, daß an andern Punkten Verwickelungen auftauchen, welche die europäische Stellung Deutschlands und Preußens ebenso sehr berühre», alS die Stellung Oesterreichs von der Be­herrschung der unteren Donau abhängt. Wir meinen die, wie eS scheint unheilbaren Zerwürfnisse zwischen Regierung und Volksvertretung in Dänemark, welche ein unbestrit­tenes Interesse Deutschlands mit betreffen und ohne Zweifel auf die auswärtige Politik, dieses durch seine Lage so wichtigen StaateS beim Wiederbeginn deS Krieges im Früh­jahr ihren Einfluß üben werden. Es scheint unS nicht unmöglich, daß diese Rück­sicht die preußische Regierung bestimmen könnte, mit England und Frankreich darüber direct in Verbindung zu treten, in wie fern die Lösung der verwickelten dänischen Fragen im gemeinsamen Interesse vorzunehmen wäre. Eine solche Stellung in Ostsee-Interessen könnte nicht ohne Rückwirkung auf die orientalische