WM Beilage zu M 347. Mittwoch, deu 18. ^oder M
Der Plan, eine katholische Universität zu gründen, welche in ausschWendSrer Weise als die bestehenden Universitäten die Tendenzen und Interessen deS Katholizismus auf dem Gebiete der Forschung und des Unterrichts vertreten soll, wird jetzt in katholischen Kreisen eifrig besprochen und ist selbst in den Vereinen neuerdings zur Sprache gebracht worden. Es wird dem „E. B." versichert, daß einer der eifrigsten deutschen Bischöfe es bereits unternommen habe, die Mittel zur Ausführung des Planes Herbeizufchasim, was namentlich durch Vindikation katholischer Stiftungen und Fonds bewirkt werden soll.
*** London. Die Königin Victoria hat eine Commission ernannt zur Empsangnahrne und Verwendung von patriotischen Beisteuern zur Unterstützung der Wittwen und Warfen der Soldaten und Matrosen, welche im gegenwärtigen Kriege umkommen würden. Unter den Mitgliedern dieser Commission befindet sich der Gemahl der Königin, Prinz Albert.
*** Paris. Nach einer osflciellrn Mittheilung aus Konstantinopel waren daselbst am 24., 25. und 26. Septbr. aus der Krim angelangt: 1350 verwundete Franzosen mit 220 verwundeten Russen und 350 Kranke (zusammen 1920 Mann); sodann 2060 verwundete Engländer mit 120 verwundeten Russen (zusammen 2180 Mann). Der medicinische chirurgische und pharmaceutische Dienst war vollständig organisirt. Im prächtigen Spital zu Pera fanden 600 verwundete Franzosen und 220 Russen auf einmal Unterkunft. Die Wunde des französischen Generals Thomas war keineswegs schwer; er war bloß leicht am Unterleib verwundet. Es würben in Konstantinopel alle erforderlichen Vorkehrungen getroffen, um 10,000 Verwundete unterbringen und verpflegen zu können.
Eine Depesche aus Marseille meldet, daß Abtheilungen von drei JägerbataMonen des Südlagers zur Einschiffung bereit waren, und daß zu Marseille eine große Anzahl Schiffe für den bevorstehenden Truppentransport gemiethet wurde. Die nämliche Depesche berichte^ daß zu Malta am 6. d. vier britische Schiffe mit Truppen aus England angenommen waren?
Nach der „ Gazette des Tribunaur" hat der Staatsminister in Folge und zur Deckung des Schadens, den die Sängerin Cruvelli der großen Oper durch controctswidrige Abwesenheit von Paris zugesügt hat, das Mobiliar der Künstlerin sowie deren bei dem Kothschtld'schew Hause deponirte Capitalien mit Beschlag belegen lasten.
*** Madrid. Die „Madrider Zeitung" veröffentlicht die Ernennung des Generals Dulce zum Gcneralinspcctor der Cavallerie. — Die Cholera macht fortwährend keine Fortschritte. — Die finanziellen Schwierigkeiten veranlassen einige Besorgniß im Publikum.
*** Mailand. Die Cholera ist hier fast erloschen, nur zuweilen ereignet sich ein vereinzelter Fall ; indeß sind bereits mehrere Tage ohne einen solchen vorübergegängen.
W § è e U N K W S Ae s.
Paris, 17. Oct. Jedes Schiff der vereinigten Flotten im schwarzen Meer gibt acht Kanonen an die Truppen ab, wodurch im Ganzen 200 Geschütze bei der Belagerung Mitwirken.
Brüssel, 15. Oct. Hr. Barbös, der am Freitag Abend von Paris abreiste, ist gestern früh in Brüffel eingetroffen.
Wien, 15. Oct. (Tel.Dep. d. Allg. Ztg.) Osten-Sackens Corps von 40,000 Mann, in der Krim eingerückt, ist im Anmarsch auf Sebastopol. Zur Stunde nichts Osst'ciellcs, ob das Bombardement am 7. wirklich begonnen hat.
Berlin, 16. Oct. Nach hier eingetroffenen Nachrichten aus Petersburg von gestern wäre bis zum 9. d. gegen Sebastopol nichts unternommen worden.
Petersburg, 10. Oct. Nach demjenigen, was aus dem Kriegsmmisterkum verlautet, werden die aus den Donausürstenthümern zurückgezogenen Truppen unter Befehl des Fürsten Gortschakoff, bekanntlich das dritte, vierte und fünfte Armeekorps in den mit Oesterreich gränzenden Gouvernements dislocirt werben.