Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt.
(Expeditions-Comptoir am hl. Geistpsörtchen M 214°). I *
------------------------ wqisho M 232 Samstag, dm 30. September 1854.
Abonnementspreis für'S halbe Jahr fl. 2.30 kr. Tägliche Ausgabe außer Montags.
Sinrück ungSgebühren: 6kr.für die ganze, 3kr. für die gespaltene Zeile.
Abonnements -Bestellungen auf das JntelligenzSlatt werden sowohl täglich, als auch vom 1. October an in der Erpedition angenommen.
Ueberblick der WreignLfse im Gebiete der politischen «nd materiellen SntereM».
Frankfurt, den 30. September. Rebst dem Erfolg des Heereszugs nach der Krim beschäftigt vor allem der Gang der Unterhandlungen zwischen Oesterreich und Preußen über die in der orientalischen Angelegenheit ferner einzuschlagende gemeinsame Politik gegenwärtig die öffentliche Aufmerksamkeit. Zur Beurtheilung der Stellung des Wiener Eabinetö in der orientalischen Frage ist vor allem wichtig die Depesche der österreichischen Regierung vom 14. September an ihre Gesandten bei den deutschen Höfen. Die Anstcht, daß die österreichische Regierung sich den preuß. Anschauungen der Sachlage mehr genähert habe, erhält durch dieses Actenstück ihre vollkommene Bestätigung. Zunächst tritt der wichtige Punkt hervor, daß Oesterreich den Westmächten gegenüber keine Verpflichtung zur Durchführung der von ihnen aufgestellten vier Puncte eingegangèn und dadurch in den Stand gesetzt ist, bei FriedenSunterhandlungen eine freie und durch keine Verpflichtung gebundene Entscheidung auSzuüben. Für das Wiener Cabinet mußte es von großem Interesse seyn, daß seine Besetzung der Donaufürstenthümer als ein im deutschen Interesse erfolgtes Unternehmen durch einen Bundesbeschluß anerkannt wurde und einen Antrag in diesem Sinne erklärte Oesterreich auch, in Frankfurt stellen zu wollen Damit hangt nun innig die Frage zusammen, ob der deutsche Bund auch Oesterreich ge. gen Angriffe Rußlands vertheidigen wolle, falls dieses, ohne daß österr. Trnvtzen in Rußland etnstelen, das eben aufgegebene Pfand der Donaufürstenthümer wieder ergreifen und die österreichischen Truppen mit Gewalt aus ihnen zu verdrängen suchen sollte. Zum Schutze gegen solche Gefahr hatte bereits Preußen dem österreichischen Staate seine Hülfe zugestchert, und indem sich Graf Buol in seiner Depesche auf jenes Zugestândntß beruft, spricht er den Wunsch aus, daß die Bundesversammlung gleichfalls einen solchen Angriff als eine Verletzung Deutschlands betrachten und mit bewaffneter Hand abwehren möge. In der Voraussetzung, daß der Bund auf beide Vorschläge eingehen werde, wird Oesterreich den Antrag aus Mobilmachung der deutschen BundeSÜretrkläfte nicht stellen. Bekanntlich hatte der König von Preußen den vier Forderungen der Westmächte in PeterS«