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Intelligenz Blatt der freien Ktadt Frankfurt.

(Expeditions-Comptoir am hl. Gerstpförtchen M 214=).

â 224. Donnerstag, dm 21. September 1854.

UeberdlLÄ der WrsègUiM im Webiete der politischen und msteriellen Jnterefsen.

Frankfurt, den 21. September. Die „Minerva" bringt in ihrem Septem­berhefte folgenden interessanten Volkswirthschaften Bericht, den wir unsern auch den ma­teriellen Interessen gewidmeten Ueberblicken einverleiben wollen: „Ueber die dießjährige Getreideernte hat sich in der Oeffentlichkeit eine allzu günstige Meinung verbreitet, von der man sagen kann, sie sey von einem Erèrem in'S andere gefallen. — Während deS anhaltenden starken Regens im Juni und Juli stand die Hoffnung auf eine ergie* bige-Ernte so tief, daß geängstigte Gemüther schon den AuSbruch einer großen Hungers­noth weissagten. Die Vegetation ward durch die feuchte, kühle Witterung zurückgehalten und die SebenSmittelpreise hatten einen ungewöhnlich hohen Stand erreicht, der noch stei­gen zu wollen drohte. Mit dem Eintritt guter Witterung und einzelner hier und da gewonnener günstiger Resultate änderte sich diese Meinung. Die Presse hatte daS Ihrige dazu beigetragen, dieselbe herabzustimmen; sie beeilte sich zu trösten und wieder gut zu macken, waS im übertriebenen Eifer in allzu düsterm Sichte dargestellt worden war. Aber ste fiel in denselben Fehler. — Man kann mit Sicherheit annehmen, daß die Schätzun­gen der Ergebnisse der dießjâhrtgen Getreideernte im Zollverein im Allgemeinen zu hoch, vielleicht um ein Drittel zu hoch gegriffen sind. Im Durchschnitt haben wir nicht mehr und nicht weniger als eine gute Mittelernte gehalten. Diese ist zum großen Theil im feuchten Zustande eingebracht und darauf ist ein besonderes Ge­wicht zu legen Denn dieser Umstand ist für Speculation und Preise von großer Be­deutung. Eine Bedingung, ohne welche sich keine großen Kornmassen in Einer Han­ansammeln können, ist die völlige Trockenheit deS Getreides. Die dießjährige Ernte ist

lgung, ohne welche sich keine großen Kornmassen in Einer Han­ist die völlige Trockenheit deS Getreides. Die dießjährige Ernte ist in einem zu durchweichten Zustande eingekommen, als daß an Magazinirung und Aus­speicherung des Korns gedacht werden könnte. Die Masse vertheilt sich daher im Han­del in viele Hände, der Umsatz ist rasch und die Speculation bat keine Gelegenheit, spätere Eonjuncturen abzuwarten. Dazu kommt, daß das Ausland im Allgemeinen theils ebenso gute, theils bessere Ernten gehalten hat als wir, und unsre KornauSfuhr daher verhältnißmâßig gering seyn muß. Für unsern innern Bedarf ist die Ernte vollständig ausreichend. Wir können also, trotz der Ueberschätzung der dießjährigen Ernteergebnisse, der nächsten Zukunft doch in Bezug aus daS tägliche Brod ruhig entgegensehen. — WaS der Krieg uns bringen wird, müssen wir getrost erwarten. Die vielen Millionen, welche während deS Kriegs Rußland, die Türkei, die Donaufürstenthümer, Oesterreich, Frankreich, England, Prenßen u. a. zu «»productiven Zwecken gegenwärtig verwenden, müssen die Struerkraft der Bevölkerungen noch höher spannen und werden zum großen Theil den