ZnteMgenz-Blatt der ftân Stadt âankftlrt. ^g^
(Expeditions-Comptoir am hl. Geistpförtchen M 214°.). I I
â 220. Samstag, den 16. September 1854.
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Ueberblick der Greigniffs im Wehiete der polttifchen «nd materiellen Jntereffe».
Frankfurt, den 16. September. Das zweite Augustheft der „Cinerea*, welche seit ihrer Umgestaltung mit jedem Monate an Interesse und Gediegenheit des Inhalts zunimmt, bringt einen längeren Artikel über „Oesterreichs Geldnoth und sein neuestes Anlehen." Wir wollen die Hauptsätze dieses in jetziger Zett doppelt wichtige» Aufsatzes unsern Lesern mittheilen und einige wettere Angaben hinzufügen. Ueber die Erscheinungen, unter denen die Geldnoth zu Tage tritt, kann kein Zweifel seyn, über dieselben stimmen alle Schriftsteller zusammen: Das Metallgeld ist aus Oesterreich auS- geströmt, Banknoten und StaatSpapèergeld, welche lange Jahre hindurch ohne sonderliche Uebelstände neben Silber und Golo den Berkehr des KaiferstaateS vermittelt hatten, sind allein zurückgeblieben, haben Zwangskurs erlangt, und unterliegen .nunmehr täglichen beträchtlichen Schwankungen deS BerkehS. Die Folgen sind eine gewisse Unsicherheit und Schwächung des volkSwirthschaftlichen Verkehrs; Niemand weiß, wie viel eine bedungene Summe in einigen Wochen oder Monaten werth seyn wird, daßhalb steigen alle unentbehrlichen Lebensbedürfnisse im Preise; wer vsrmiethet, läßt sich eine höhere Summe zab- len, weil er nur so der voraussichtlich fortschreitenden Entwerthung deS Papiergeldes ohne Nachtheil entgeht. Dieß Verhältniß drückt natürlich eben so sehr die Stände, welche auf eine feste Rente zum Leben angewiesen sind, als die ihm zu Grunde liegende Unsicherheit jedes Geschäft lähmt. Das unter anderen Verhältnissen solideste Unternehmen erhält den Charakter eines Glücksspiels, weil man mit unbekannten Werthen operirt, und jeder vorsichtige Geschäftsmann schränkt seine Spekulationen auf das nächste ein.__War man über die Erscheinungen der Geldnoth einig, so herrschten über ihre Ursachen, und waS damit enge zusammenhängt, über die Mittel ihrer Abhülfe und den Zeitpunkt derselben desto verschiedenere Ansichten. DaS Chaos dieser Ansichten ist von den osstciö- sen österreichischen Schriftstellern noch mehr verwirrt worden, indem sie den unbequemen Theil der Wahrheit verschwiegen und in potentia vorhandene Kräfte als in actu vorhanden darstellten, mit andern Worten: in dem sie das gegenwärtige Deficit deckten mit der Anweisung auf die in Jahrzehnten eintretenden wohlthätigen Folgen der jetzigen Reformen. — Wir unterscheiden die Reihen von Ursachen deS jetzigen Zustandes , 1) vor« märzliche aus den Jahren 1815—1847, 2) solche aus den Kriegen von 1848 und 1849, 3) solche, welche aus der Umgestaltung Oesterreichs in einen Einheitsstaat Hervorgegan- gen sind. — 1) Oesterreich war auch vor 1848 kein capitalreicheS Laud. Capitale bilden sich nur in einem thätigen, gewerbfleißigen, vielverbrauchenden und doch zugleich sparsamen Volke. Oesterreich war vorherrschend Ackerbaustaat, aber in den meisten Provinzen