Siebente Beilage M M 205. Mittwoch ; dm 30. August 1854.
%* Fulda. In voriger Woche ergab sich in einem nahe liegenden Dorfe ein Cho- lerâfall ; der Kranke war in das hiesige Hospital gebracht worden, wo er schnell starb. Ein weiterer Fall ist nicht vorgekommen.
*** Paris. In den Spitälern von Paris sind seit dem neuesten Ausbruche der Cholera bis zum 23. d. 5268 Erkrankungen an dieser Seuche behandelt worden; 2025 der Cholerakrankengenasen, 2648 starben, 554 blieben in Behandlung. Man berechnet, daß in ganz Frankreich bis jetzt 40,000 Individuen der Cholera seit dem Wiederausbruch erlegen sind, was ein Verhältniß von 1 zu 900 ausmacht.
%* Bukarest. Omer Pascha hielt am 22. d., Morgens um 9 Uhr, unter ungeheurem Zudrang der Bevölkerung und einem Blumenregen an der Spitze von 25,000 Mann türkischer Truppen mit 30 Kanonen seinen Einzug in Bukarest. Er wurde von Kantakuzcno und den Großbojaren empfangen. Hinter ihm ritt der junge Fürst Stourdza, welcher in der türkischen Armee dient. Die Truppen in blauen Waffenröcken, weißen Pantalons und rothen Feß boten einen imposanten kriegerischen Anblick. Omer Pascha ließ die'Truppen, unter welchen sich auch eine kleine Abtheilung Franzosen befand, auf dem großen Platze vorbeide- siliren, und bezog dann in Gotruschen, der Sommerresidenz des Fürsten, sein Quartier. Der Zudrang dahin, um ihn zu sehen, ist unbeschreiblich.
*** Konstantinopel. Varna's Unglück beschäftigt oder vielmehr empört fortwährend alle Gemüther. Eine fanatische Griechenrotte zündete die unglückliche Stadt in der Nacht vom Freitag (11.) auf den Samstag an vielen Stellen zugleich an, und suchte insbesondere die großen Magazine der Privatleute und die namhaften Vorräthe der Alliirten in Asche zu legen. Die Verwirrung in der unglücklichen, hölzernen Stadt, die keines solchen inneren Feindes gewärtig war, stieg auf einen so hohen Grad, daß, während die türkische Garnison überall mit Löschen und Retten besonders der Pulvcrvörräthe sich beschäftigte, die Meuterer den aus den umliegenden Lagern zu Hülfe eilenden Alliirten die Thore versperrten, welche diese sich mit Aextcn öffnen mußten. General Canrobert und seine Soldaten wetteiferten mit der türk. Garnison, und dennoch wurden sämmtliche Magazine, ein großer Theil der Militärvorräthe und etwa die halbe Stadt eine Beute des wilden Elements. Viele Griechen, welche mit der Brandfackel in der Hand erwischt wurden, füsilirten die Franzosen sogleich. Einem dieser Bösewichte schlug ein Soldat im Augenblicke, wo er Feuer legte, mit der Axt den Schädel entzwei. Eine strenge Untersuchung ist eingeleitet; der Verlust in den Magazinen allein wird auf 4 Millionen Francs geschätzt.
Der Prinz Napoleon, welcher nach Konstantinopel gekommen war, um sich von einem Fieberanfalle wieder herzustellen, wohnte am 15. d. dem Tedeum bei, welches im französischen Botschaftshotel aus Anlaß des Napoleonsfestes celebrirt wurde. Der Prinz wird sofort abreisen, um sich zu seiner Division zurück zu begeben. — Der Brand, welcher in Varna vom 10. bis zum 12. d. wüthete, hat 500 Häuser und Privatmagazine zerstört, aber wenig Lebensmittelvorräthe, die bereits zu großem Theile cingeschifft waren. Fast wären die Pulvervorräthe der verbündeten Truppen in die Lust geflogen. Sie wurden durch plötzlichen Umsprung des Windes und durch aufopferndste Anstrengungen der Truppen, den Marschall St. Arnaud an der Spitze, gerettet. Es ist eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet. Eine große Anzahl von Fremden hat man verhaftet.
Das Gerücht von einer Niederlage der Türken bei Kars, das man in Umlauf gebracht hatte, hat sich nicht bestätigt.
%* Aus der Ostsee. Das in Stockholm erscheinende „Aston-blad" meldet, der französische General Baraguay d'Hilliers habe der schwedischen Regierung, im Falle dieselbe sich den Westmächten anschließe, im ersten Monat 14 Millionen, für jeden folgenden Monat 7 Millionen Francs Subsidien geboten.