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Intelligenz Blatt

der freien Stadt frankfart

(Erpeditions-Comptoir am hl. Geistpförtchen M 214c.).

M 202. Samstag, dm 2 6. August 1854.

Ueberblèèk der GreLgnMe im Webiete der pMtifchen «Kd MaterLeLlen JsrtereMN.

Frankfurt, den 26. August. Der „Lloyd" vom 19. August bringt wieder seine gewohnten zwei Artikel, den ersten, in dem er die deutsche Hülfe in Anspruch nimmt und den zweiten, in welchem er die deutschen Regierungen und Völker alS ganz untaug­lich charakterisirt Beide Artikel paffen trefflich zu einander und wir rathen jedem Leser, sich diesen Genuß zu verschaffen. Früher begnügte sich der „Lloyd" damit, die Integrität deS österreichischen Gebietes durch Preußen und die deutschen Staaten zu decken, dem­nächst sollten diese sür Oesterreich daS Protektorat der Donaufürstenthümer erobern; jetzt aber sollen sie sogar daS Reich des Schamyl zwischen dem Schwarzen und Kaspischen Meere „garantiren". Der „Lloyd" ist nicht blöve mit Forderung von Garantien. Die „Zeit" hatte gefragt, wer denn die von Rußland abzureißenden Provinzen bekommen sollte; der „Lloyd" ist gleich mit der Antwort da: „Die Westmächte garantiren Schweden den Besitz von Finnland; dafür garantirt ein tscherkessischer Staat die Freiheit des Schwarzen Meeres. Wir befürchten nur, daß der tscherkessische Staat, statt zu garan- tiren, eher einer Garantie bedürfte, und wenn die Krim an ihren alten Herrn kommen Und, wohlgemerkt! bei demselben bleiben soll, so wird wohl eine Garantie nöthig fc^n; Dazu gehörrn aber Flotten und Landtruppen, die fern von der Heimath zu unterhalten Millionen kosten; dann weder kann Schweden allein Finnland gegen Rußland vertheidigen, und im Winter wäre ihm selbst die Hülfe der Westmächte unnütz, noch kann die Pforte ohne Seemacht und ohne die taurische Küste sich im Besitze der krimischen Halbinsel behaupten, welche mit dem angrânzenden Festlande immer denselben Herrn hatte. Ein tscherkessisches Reich endlich ist eine abentheuerliche Erfindung. Stämme, bie ein gemeinsamer VertheidigungSkrieg zusammenhält, würden im Frieden leicht zerfallen, und die russische Diplomatie hat schon Aufgaben vollbracht, die schwieriger waren, alS einen Schamyl durch innere Zwietracht zu stürzen. Ganz ähnlich wie der erste ist der zweite Artikel, den wir gelegentlich in einem späteren Ueberblick einmal beleuchten wollen; er zeichnet stch ebenfalls durch seine Gehässigkeit gegen Preußen und Deutschland überhaupt auS und trägt die Ueberschrtst „Physiognomik der deutschen Cabinettè und Völker", in­dem er uns belehren will, waS Deutschland eigentlich treibt. Die Belehrung ist in der gehässigen Manier deS „Lloyd" abgfaßt und eben so unwahr als unrichtig. Aber „C’est ainsi qu’on fait l’histoire“, sagte Napoleon I., welcher in seinen BüllettnS bekanntlich die Geschichtschreibung fast so gut verstand alö der „Lloyd".