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Intelligenz-Blatt

der freien Stadt âankftlrt.

(Expeditions-Comptoir am hl. Geistpförtchen M 214°).

M 197. SyMtag, den 20» August 1854.

Bekanntmachungen.

Zur Beurtheilung der Neform unserer JrrM-Anftalt»

Zweien Einwürfen, die man unserem Vorhaben scheinbar mit einigem Recht «rchcn könnte, und auch gemacht hat, will ich mit wenigen Worten zu entgegnen suchen

1) Man schlägt vor, wir sollten mit einem Nachbarstaate einen Vertrag schließen und unsere armen Geisteskranken in dessen bessere und neuere Anstalt in Pflege bringen. Dieser Rath ist nicht auSzusühren; denn erstens wird kein Staat uns unsere Kranken abnkhmen, weil er seine eigene Anstalt dadurch übervölkert, d. h. verschlechtert Gerade kleinere und mittlere Anstalten wie die Hiestge sind ein Vortheil für die Kranken, und für die unseren.ginge alsvann auch dieser Vortheil verloren Zweitens hat keine be­nachbarte Anstalt irgendwie dazu den Raum unsere 95 Kranken aufzunehmen (Eigent­lich könnte überhaupt hier nur von Eichberg in Nassau die Rede seyn, da die neue An­stalt in Darmstadt [mit ihren 360 Krankens noch aar nicht erbaut ist.) Da nun der Raum dort fehlt, so müßte man auch dort bauen Wer würde nun daS Capital dazu ? ergeben müssen? Doch wohl Frankfurt! — Drittens frage ich, kann man denn einen olchen Schritt so ganz gleichgültig thun, wie man einen Pack Waaren verschickt? Daß man die Sträflinge nach teoachdarten Zuchthäusern bringt, mag geschehen; aber würde man es ebenso leicht verantwoiten können, wenn das als reich, und vor allem als mild­thätig gepriesene Frankfurt seine Kranken und Geistesschwachen deportirt? Von der Schwierigkeit der Controlle und jeglicher Aufsicht will ich gar nicht reden —Und Vier­tens endlich würde die Staatskasse alsdann statt 13,000 fl jährlich mindestens 25 bis 30,000 fl. zu zahlen haben, indem keine fremde Anstalt eine solche Last übernehmen würde ohne eine erhebliche Erleichterung ihrer eigenen Finanzen dadurch zu erstreben- Eine provisorische kleine Irrenanstalt zur Beobachtung und Aufnahme dringender Fälle müßte aber bet alledem dennoch hier vorhanden bleiben.

2) Man könnte bemerken, jetzt sey nicht der rechte Zeitpunkt zu einer Collecte, jetzt wo Krieg, Theuerung und Cholera in Europa herrsche. Ich erwiedere: Dem Himmel sey Dank! Wir in Frankfurt haben noch keinen Krieg und keine Cholera! Und garz Europa freut sich einer reichen gesegneten Ernte. Also jetzt ist die Zeit noch günstig! Ich habe in Frankfurt in den letzten zwanzig Jahren schon macheS Treffliche auf ähnliche Weise entstehen sehen, hätte man aber warten wollen, bis die Leute zu uns gesagt hätten» »So, jetzt ist cS Zeit! Jetzt kommt und holt Euch Geld bet uns!", dann wäre wahr­scheinlich bis auf den heutigen Tag von dem Allem noch ganz und gar nichts geschehen.