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Intelligenz-Blatt

der freien Stadt Frankfurt.

(Expeditions-Comptoir am hl. Geistpförtchen M 214°.).

M 195, Freitag, den 18. August 1854,

Bekanntmachungen.

Zur Beurtheilung der Reform unserer Irren-Anstalt, ui.

Ueber die Nothwendigkeit, die Kranken nach ihrem Bildungsgrade und Stande zu trennen, wozu unS hier in Frankfurt die Möglichkeit ganz und gar abgeht, wollen wir eine Stelle auS einer Schrift von M. Jacobi (Sammlung für die Heilkunde der Gemüthskrankheiten I. pag. 143) mittheilen.

„Die Nothwendigkeit, sich bei der Behandlung der Irren nach ihrer Verschiedenheit in Bezug auf Stand, Erziehung und Gewohnheiten zu richten, sollte tyèe es scheint einem Jeden einleuchtend seyn. Einen Irren aus den höheren Ständen, dem durch eine sorg­fältige Erziehung eine ausgezeichnete geistige und wissenschaftliche Bildung zu Theil ward und dem vieljährige Gewohnheit eine Menge Dinge zum fast unentbehrlichen Bedürfnisse gemacht hat, bei feinem Eintritt in eine Irrenanstalt plötzlich in Bezug auf Wohnung, Lager, Kost, Gesellschaft und Beschäftigung einem Irren au'S den unteren Klaffen der Gesellschaft gleichstellen und einen verrückten Bauern hinsichtlich aller dieser Gegenstände auf einem Fuße behandeln wollen, wie eS seiner bisherigen Lebensart in gleichem Maße widerspricht, ist gewiß beides höchst zweckwidrig und muß um so mehr dazu beitragen die Seelenstörung zu unterhalten und ihre Heilung zu erschweren, da mit der Aufhebung des freien BernunstgebrauchS und des darauf beruhenden religiösen Sinnes der Kranke gerave desjenigen Vermögens beraubt ist, welches ihn allein in den Stand setzen könnte einen solchen Wechsel mit Faffung, Ergebung und Gleichmuth zu ertragen. — Doch versteht es sich, daß diese Unterschiede der Behandlung in einer Heilanstalt so wenig schneidend und nach- thetlige Effecte irgend einer Art erregend wie möglich seyn müssen. —"

In welchem Grade solche Abtheilungen nöthig sind und wie nützlich sie bei der Be­handlung seyn können lehrt nachstehender Fall, den Jacobi mittheilt.)

Ein junges Mädchen aus niedrigem Stande, welches in vornehmen Häusern gedient und eine sehr gute Behandlung erfahren hatte, war darüber nach und nach höchst eitel und anmaßend geworden und verfiel zuletzt in eine Seelenstörung, in der sie ihren Hoch­muth auf alle Weise kund gab. Man brachte sie in die Irrenanstalt, wo sie in ein un­ansehnliches Zimmer gelegt ward, in welchem sich noch mehrere andere weibliche Irren von niederem Stande befanden und wo sie gleich diesen behaüdelt würd. Hierüber ge- rieth sie in Zorn und die Krankheit ging in Tobsucht über. Der Arzt, der sie während deS ersten Tages nicht gesehen hatte, trat nun an ihr Lager, stellte sich verwundert sie hier zu finden, schalt die HauSbedienten und ließ sie auf ein angenehmeres Zimmer deS