Dritte Beilage M â 193. Mittwoch; den 16; Anglist 1854;
irgend einen Bestandtheil davon zu nehmen, verbrannt werden solle Nach angestellter Untersuchung ergab sich, daß die Bände deS erwähnten Werkes die Originals aller gerichtlichen, auf den Prozeß deS Grafen v. Egmont Bezug habenden Aktenstücke enthielten; der Minister der Justiz verhinderte die Ausführung der testamentarischen Bestimmung, weil durchaus keine Beweise vorlagen, daß diese Prozeßakten Eigenthum deS Testators gewesen. Herr C. Muquardt in Brüssel veröffentlicht jetzt: „Procès du comte d’Egmont, daprès les manuscrits originaux irouvés â Mons , avec les pièees justificatives, pnblié par M. le procureur générai de Bavay.“ Hr. de Bavay, veranlaßt, sich mit den Aktenstücken bekannt zu machen, hat in jenem Werke die vollkommene Unschuld deS Grafen v. Egmont in jeder Beziehung erwiesen und beurkundet, dagegen aber durch Thatsachen, so wie in den Aktenstücken und Dokumenten, auf welche sie beruhen, alle UeberzeugmigSgründe, die sich dem Herzog v. Alba darboten, nachgewieftn. Wir machen Geschichtsforscher und GeschichtSsreunde auf dieß Werk aufmerksam, welches von höchster Wichtigkeit für den Aufschluß jener belgischen Geschichrsperiode ist.
Der unlängst verstorbene Raoul Rochette, Professor der Archäologie, Mitglied des Instituts von Frankreich, beständiger Secretair der Pariser Akademie der schönen Künste und langjähriger Redakteur des Journals deS SasanS, hatte in seinem Testamente ausdrücklich angeördnet, daß an seinem Grabe keine Rede gehalten werden solle, Er habe, heißt eS darin, fein ganzes Leben hindurch von diesem profanen Branche gelitten, zu dem er sich für Andere hergeben mußte, und wollte an seinem Grabe bloß die Gebete der Kirche und die Betrübniß der Freundschaft vernommen wissen.
In allen Kunst- und Landkartenhandlungen Londons hängt seit einiger Zeit eine prachtvolle lithogr. Zeichnung deS baltischen Gibraltar am Schaufenster betitelt: „Sie Stadt und die Befestigungen von Kronstadt«. Der Plan ist aus der Vogelperspective ausgenommen und tm großen Maßstab ausgeführt (S^/a" laug und 15" breit). Die Zeichnung, von Mr. E. F. Dolby, ist von Fachkundigen für ein Meisterwerk sowohl in Bezug auf Correctheit wie Deutlichkeit erklärt worden, und unter den Massen, die sich vor dem Schaufenster zu drängen pflegen, zählt Mancher mit eigenthümlichen Empfind düngen die Kanonen auf den Wällen deS Feindes. Die Admiralität hat dem Kaiser der Franzosen und den britischen Gesandten Exemplare davon zugesandt.
Man schreibt unS aus Petersburg, 28. Juli: Hinter den Aufführungen der Tendenz« stücke auf russischer und deutscher Bühne blieb auch die Malerei nicht zurück. Der russische Künstler Äjwasowski hatte keine üble SpcculationS Idee, die triumphirende Eitelkeit und den Ehrgeiz seiner Landsleute auSzubeuèen. Er verfertigte vier Bilder, darstellend den Kampf deS „Wladimir« mit dem PerwaS-Balbri, deren Ankunft in Sebastopol, das Gefecht bei Sinope bei Tag und bet Nacht, und hat damit eine Rundreift angetreten, um die Gemälde dem Publikum zu produciren. Er ist bereits in Sebastopol gewesen, wo er sie Menschikow vorzeigte. In Simpheropol wurden sie gegen @ntré ausgestellt, dessen Ertrag 400 Silberrubel für Kriegszwecke bestimmt wurde.
Herr Hendrichs fetzt sein Gastspiel mit großem Beifall fort, Sein „Faust«, eine Rolle, in der sonst deutsche Schauspieler nicht zu gastiren pflegen, war eine wahrhaft künstlerische Leistung. Sowohl in den ersten Scenen, wo der Doctor Faust in seinem ganzen mächtigen Eindruck vor uns hintrat, als in den LiebeSscrnen, wo er in der Wärme des ersten KuffeS dahiufchmilzt, war Hendrichs vorzüglich; jede einzelne Scene bot überraschende Situationen, feine Rüancirungen und geistreiche Genremalereien. Meister. Haft war die Scene, wo er in Verzweiflung zusammenbricht und sieht, wie er rettungSlc« den düstern Mächten verfallen ist. Der Beifall brach sich bei dieser Stelle lebhaft Bahn. Fräulein Hendrichs, die die Rolle der Margaretha zum erstenmal spielte, liest