Zntelligenz-Blatt
der Men Stadt Frankfurt. /^^
(Expeditions-Comptoir am hl. Geistpförtchen M 214°.). | j
M 186. Dienstag, dm 8. August 1854.
Nehsâliâ des WreigAiffe im Wehisèe dse politZsche« NKd WaterieKs« INtexeMK»
Frankfurt, den 8. August. Unsere ganze Zeit strebt dahin, die früher vorzugsweise politische und literarische Behandlung der Geschichte durch die Kenntniß der socialen und materiellen Zustände der einzelnen Zeiträume zu ergänzen. War eS schon ein bedeutender Fortschritt, wenn Schlosser in seinem mit Recht berühmten großen Werke über das achtzehnte Jahrhundert die literarischen Erscheinungen mit den Ereignissen in den nothwendigen Zusammenhang brachte, so haben doch erst v. Sybel und Häusser in ihren freilich nur Theile deS achtzehnten Jahrhunderts umfassenden Werken den Gang der Begebenheiten durch Einflechtung zahlreicher Thatsachen socialer und materieller Natur verarbeitet. Reichliches Material zu einer Vergleichung der Zustände deS acht- zehnten und neunzehnten Jahrhunderts ist in den Zeitschriften und Reisewerken deS vvrigcn Jahrhunderts niedergelegt und in neuester Zeit vielfach bereichert worden, z. B. durch daS anziehende Buch von Riehl: „Land und Leute", sowie durch die sorgfältige» Untersuchungen von dem Kasseler Archivar Landau im zweiten Bande von Arndt'S Germania. Zum erstenmale in gründlicher und kritischer Weise benutzt hat diesen umfangreichen Stoff Professor Karl Biedermann in Leipzig in seinem Werke, von dem soeben der erste Band bet I. I. Weber in Leipzig erschienen ist: „Deutschlands politische, materielle und sociale Zustände im achtzehnten Jahrhundert." In der Verlegenheit, welche der vielen interessanten Stellen wir den Lesern als Probe aus dem Buche mite theilen sollen, wählen wir die über Reisen und Briefverkehr, weil in dieser Hinsicht die Fortschritte am auffallendsten sind. „Es gehörte in jenen Zeiten ein großer Entschluß dazu, sich auf eine wette Reise zu begeben. Schlözer laS ein besonderes Retsecollegium für seine reichen und vornehmen Zuhörer in Göttingen Darrn berechnete er die Reisekosten für eine Person zu einem Ducaten die deutsche Meile." Richt viel minder erschwert als der persönliche Verkehr in die Ferne war in jener Zeit die briefliche Gedankenmittheilung. Der Briefverkehr litt unter denselben Hindernissen, welche das Reisen so schwierig machten. ES erregt heutzutage fast ein ungläubiges Lächeln, wenn man liest, wie im vorigen Jahrhundert ein Brief von Frankfurt nach Berlin, der seinen Weg jetzt in ungefähr 24 Stunden macht, nicht weniger als neun Tage brauchte, oder einer von München nach Augsburg, der jetzt in 3—4 Stunden befördert wird, nicht unter 2 Tagen an seine Adresse gelangte. Dabei war der Briespostdienst so wenig geregelt und so unbeholfen, daß oft ein Brief auf einer kleinen Strecke nicht weniger lange unterwegs blieb, als auf einer ungleich größeren. So langten die Frankfurter Briefe sowohl in Hamburg als in Hannover am fünften Tage an, obgleich das letztere 36, das