Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt.
(Expeditions-Comptoir am hl. Geistpfö'rtchen M 214°).
M 184. Samstag, den 5. August 1854.
NeherhLiâ dee WreLgNMe im Gebèete des politischen nKö WaterLellLN ZntLLLUen.
Kra»?f«rL- den 5. AugUst. ES ist eine auffallende Erscheinung, daß ein Theil der österreichischen Presse in einer Weise Preußen schmäht, wie eS nicht anders seyn könnte, wenn Preußen mit Oesterreich in einen Krieg verwickelt wäre. Dieser Umstand muß ein um so größeres Erstaunen erregen, als das Wiener Cabinet in allen öffentlichen Acten, wie noch neulich in der Erklärung am Bunde, sein vollkommen neS Einverständnis mit der preußischen Regierung in der orientalischen Frage auS- sprach. Namentlich der „Lloyd", setzt mit einer seltenen Sicherheit seine boshaften Verleumdungen gegen Preußen fort. Man darf sich nur die Preßverhältniffe in Oesterreich vergegenwärtigen, wo Angriffe und Anklagen gegen die eigene Regierung nur in anständiger und vorsichtiger Sprache gewägt werden dürfen; sich erinnern, daß die österreichische Preffe gegen Rußland bisher eine sehr mäßige Sprache führte, und wird dann vergebens nach den Gründen forschen, welche es möglich machen, daß in einem befreundeten deutschen Staate, wo noch dazu keine Preßfreiheit herrscht, die unerhörtesten Schmähungen gegen einen Verbündeten geduldet werden.' Wenn übrigens der „Lloyd" so eifrig nach den Erfolgen der preußischen Diplomatie forscht,so fragen wir denselben, ob denn der Kaiser von Rußland den österreichischen Vorstellungen Gehör geschenkt hat? oder ob in Folge der Sommation die russischen Truppen auS der Wallächer zurückgezogen worden sind? Gewiß nicht! Für das Wiener Cabinet war der Augenblick zum Handeln noch nicht gekommen und es begnügte sich, als die Donauschifffahrt von de» Russen gehemmt, die Getreideausfuhr aus der Wallachei verboten, die panflavistifche Agitation in den slavischen Ländern in verstärktem Maaße betrieben wurde, mit einem Protest. Der östcrr. Konsul blieb trotz dieser Verletzungen in Bukarest, während der preußische Konsul aus ungleich geringerer Veranlassung von seinem Posten abberufen wurde. Wenn Oesterreich an seinen Grenzen bedeutende Streitkräfte aufstellte; so geschah eS zunächst zum Schutze der eignen Länder gegen revolutionäre Bewegungen. Wir erinnern dabei an die Rüstungen der Serben uud an den offen ausgesprochenen Haß derselben gegen Oesterreich. Hier war also ein Beobachtungscorps nothwendig, denn bei dem Plane der russischen Befehlshaber, sich in Verbindung mit den serbischen Streitkräften den Weg nach Sophia zu bahnen^ stand bei der großen Aufregung der serbischen Bevölkerung Oesterreichs auch unter ihnen ein Anschluß an die nationale Bewegung zu erwarten. Diese durch die Nothwendigkeit gebotene Truppen« aufstellung rechnet der „Lloyd" der österreichischen Regierung zum Ruhme an, obgleich Jedermann darin nur eine Selbstvertheidigung erblicken sann. Es wähne nicht