Äuft „Es lebt die Königin, eS lebe die Verfassung, Lod de» Ministern!" die Verlesung deS TagSbefehleS.
Petersburg, 11. Juli. Die Großfürstin Olga Nikolajewna hat ihre patriotische Gesinnung durch ein Geschenk von 5000 Rubeln zu Kriegszwecken bethätigt. — Die General- lieutenants v. Grabbe I. und v. Sachs sind zu Flügeladjutanten des Kaisers ernannt worden.
Odessa, 10. Juli. So eben hat ein englischer Kriegsdampfer auf der Rhede Anker geworfen und 13 Gefangene, russische £f stetere , nebst 200 Matrosen gebracht, um sie gegen die englischen Gefangenen auszuwechseln. Da von Petersburg nur die Bewilligung zum Austausche von 8 Ofsicieren eingeholt war, so weiß man nicht, ob der Generalgouverneur auf eigene Verantwortung die Freilassung der übrigen 5 Ofsiciere bewilligen dürfe.
Konstantinopel, 6. Juli. Die vereinigten Flotten lagen den letzten Nachrichten zufolge noch bei Baltschik. Das türkische Geschwader jedoch ist vor zwei Tagen aus dem schwarzen Meer hierher zurückgekommen, um sich hier neu zu verproviantiern, Einzelnes auszubeffern und sodann in den Archipel zu segeln.
Bukarest, IO1 Juli. Noch in keiner Schlacht während dieses Krieges waren so viele Russen beisammen wie bei Giu rgiu; denn der Kampf dauerte vom 2. Juli fast ununterbrochen fort, und die Ruffen hatten bis zum 6. und 7. Zeit sich zu sammeln, was um so besser gelang, da die Truppen schon seit dem 30. Juni überall auf dem Rückwege nach der Donau waren. ES ist verbürgte Thatsache, daß die Rusten am 6. nicht weniger als 30,000 Mann bei Giurgiu standen und in der darauf folgenden Nacht und am 7, fortwährend ' frische Tnrppen, insbesondere Cavallcric, von Bukarest zu ihnen stießen.
Nie hat man die Rusten so bestürzt gesehen wie in Folge der Schlacht vom 6. und 7. Sie gestehen in ihren Privatgesprächen ihre Anzahl bei 30,000 Mann selbst ein, ebenso die vortheilhafte Position auf ihrer Seite; aber sie behaupten, daß Omer Pascha am 7. mit mehr als 40,000 Mann angegriffen hätte. Die Ziffer des Verlristes kann man natürlich nicht bestimmen; sic muß aber sehr groß seyn, da bloß die umzingelte Abtheilung bei 800 bis 900 Mann an Todten und Verwundeten verloren haben soll.
In der oculistischen Klinik in Pesth fand vor einigen Tagen eine ergreifende Scene statt; der Herr Professor Lippai operirte nämlich einen schon seit 20 Jahren deS Augenlichts beraubten Mann, der, als er plötzlich wieder deS lang entbehrten Sinnes mächtig wurde, sich zu den Füßen der Anwesenden warf, bald wieder aufsprang , bald lachte,.... bald weinte, und sich einige Zeit so geberdetc, bis er sich endlich der zur weiteren Kurnothwendigen Ruhe fügte.
Der schöne Helle Stern, den man jetzt nach der Abenddämmerung ziemlich tief am südöstlichen Himmel, und bald nach Mitternacht etwa 17 Grad hoch am südlichen Him« mel steht, ist der größte der Planeten, Jupiter. Er steht gegenwärtig im Sternbilde des Schützen, und kann von Denen, die ihn noch nicht kennen, leicht dadurch ausgefun- den werden, daß er am 6. August, 3. September, 30. September, 27 Oktober, 24 3to* v-mber und 22 Dezember dieses Jahres in der Nachbarschaft des Mondes stehen wird.
Fra«kfrsrter Stadtthe-rtex.
Freitag den 2I. Juli: Gastdarstellung der Frau Anna de la Grange, erste Sänger!« der faiferl Oper zu St. Petersburg, welche bei ihrer Durchreise nur zwei Vorstellungen geben wird. Der Barbier von Sevilla. Komische Oper in 2 Acten von Rossini. Rosine: Frau A. de la Grange. Mit aufgehobenem Abonnement und erhöhten Eintrittspreisen.
Samstag den 22. Juli: Gastdarstellung deS Herrn Lußberger, vom f. k Hofburgtheater in Wien. (Neu einstudirt) Der alte Magister. Schauspiel in 4 Abtheilungen von Roderich Benedir. Magister Reislardt Herr Lußberger.