Vierte Beilage z« M 169 Mittwoch, den 19. Zatt 185«
Zuversicht nicht mindern, indem man hier sehr wohl weiß, daß daffelbe seiner geographischer» Lage und Zusammensetzung wegen nicht im Stande seyn würde, einen Feind außerhalb seiner Gränzen nachhaltig zu bekriegen. Anders dagegen verhält es sich mit Preußens Kriegs» macht. In dieser liegt der Cardinal- und Schwerpunkt.
Allerneuestes.
Wien, 15. Juli. Die Sachen am Kriegsschauplätze nehmen nun eine Gestaltung an, daß an das Zustandekommen eines Waffenstillstandes, wie ihn bisher Rußland mochte, nicht gedacht werden kann, und dem Abschluß eines solchen, wie sich ihm die Murten geneigt zeigen würden, nach der jetzigen Stimmung in Petersburg verlorene Schlachten vorangehen müssen. — Das Gefecht bei Öltenitza vom 8. Juli war nicht minder hitzig als jenes bei Giurgewo. Die Türken besetzten zuerst die unterhalb des Ortes gelegene Insel in der Absicht, die am jenseitigen User aufgestellten Geschütze zu nehmen. Die Russen vertheidigten sich aber durch längere Zeit und wichen erst dann zurück, als die türkischen Truppen mit Ueber- macht herandrängten.
Nach Berichten aus Widdin vom 12. Juli haben am 10. bei 3000 Mann türkischer Truppen unterhalb der Mündung des Bedeflusses als Avantgarde eines stärkeren Corps die Donau passirt und setzten sich in nördlicher Richtung in Bewegung. Dieses Corps marschirte, wie es heißt, direct nach Babile bei Bukarest, um von dort die Bewegungen des Omer Pasch» oberhalb Giurgewo nöthigenfalls zu unterstützen und den Russen die Rückzugslinie über die Argis abzuschneiden.
Die neuesten Berichte aus Bukarest vom 12. Juli melden, daß sich die Türken in Giurgewo in großartigem Maßstabe verschanzen. Die Affaire bei Frateschti vom 10. war, wie erwähnt, nur ein Gefecht untergeordneter Art, in Folge der Recognoscirungen Omer Pascha'S veranlaßt. Das Gros der russischen Armee stand am 11. noch immer defensiv am Argrs.
Laut türkischen Bulletins betrug der Verlust der Russen bei der Affaire vom 7. und 8. Juli nächst Giurgewo 3000 Mann, darunter 900 Todte. Drei russ. Escadrons wurden von 3000 M. irregulärer türkischer Cavallerie umzingelt und entkamen nur mit großer Mühe, indem sie sich zu den Hauptcolonnen durchschlugen. — In Montenegro ist tiefe Ruhe.
Ein Bericht aus Bukarest meldet, daß der russische General Popoff bei dem Gefechte nächst Nicopolis am 9. Juli eine gefährliche Schußwunde erhalten hat.
Berlin, 17. Juli. Der Flügcladjutant des Königs, Obrist-Lieutenant Frhr. v. Manteuffel ist gestern Abend von hier nach Wien abgereist.
Nach Privatberichten aus Petersburg vom 10. Juli hatte die Cholera daselbst soeben ein für den kaiserl. Hof sehr betrübendes Opfer gefordert. Der Ober-Ceremonienmeister Gras Woronzofs-Daschkvff, ehemals Gesandter in Stuttgart, Turin und München, war in der Nacht vom 8. zum 9. in Peterhof den Folgen dieser Krankheit erlegen.
Paris, 16. Juli. Der „Moniteur" berichtet heute, daß die von dem Bice-Admiral Bruat befehligte Flotte am 2. d.zu der Flotte des Bice-Admirals Hamelin auf der Rhede von Baltschik stieß. Es hatte dieselbe 9000 Mann von der 4. Division der französischen Orient-Armee von Gallipoli nach Varna gebracht und es wurden diese an einem einzigen Tage unter den Mauern Barna's ans Land gesetzt.
Madrid, 13. Juli. General Turon, welcher mit sieben Bataillonen Infanterie, einiger Cavallerie und Artillerie hier eingetroffen, hat gestern Abend Madrid wieder verlassen, um zu dem die Verfolgung der Aufständischen leitenden Kriegsminister General Blaser zu stoßen. — Es ist in zahlreichen Exemplaren ein „außerordentliches Bulletin der constitutionellen Armee" vom Saturn des 7, d. verbreitet worden. Im „offiziellen Theile" liest man eine