Vierte Beilage z« M 165 Freitag, den 14. Juli 1854.
ist über die Vollmacht, in Kraft deren er gehandelt, beftagt worden; seine Aussage wird aber geheim gehalten.
V New York. Ueber Neworleans liefen telegraph. Depeschen aus Vera-Cruz vom 28. Mai vor. Santa-Anna hatte die Verhängung des Belagerungszustandes über Städte, Di'stricte und Departements verfügt, die sich der Regierung widersetzen würden. Die Cholera wüthete mit großer Heftigkeit in Mexiko und raffte an einem Tage 200 Personen hin; darunter Mr. Barkeley, den Secretär der britischen, Senor Bustamcnte, den Secretär der spanischen Legation, und die edle, hochherzige und vielgefeierte Sontag, Gräfin Rossi. Sie starb am 17. und scheint sechs Tage gelitten zu haben; denn am 11., wo sie in „Lucrezia Borgia" auftreten sollte, erschien die erste Notiz, daß sie einen Cholera-Anfall erlitten habe. Ihr Hinscheiden erregte bei der Stadtbevölkerung das lebhafteste Mitgefühl. Sie wurde am 19. bei der Kirche von San Fernandez bestattet. Eine große Menschenmenge, darunter die Mitglieder der philharmonischen Gesellschaft, begleiteten den Leichnam zu seiner Ruhe» stätte; auch mehrere der Gesandten hatten sich dem Zuge angeschloffen; es war die letzte Ehre, die Europa der bewährten Frau und Künstlerin auf fremden Boden erzeigen konnte. (Mad. Sontag soll sich, wie man sagt, durch ihre Kunstreise in Amerika ein Vermögen von 100,000 Dollars gesammelt haben. Sie hatte nach England geschrieben, daß man ihr ihre Kinder nach Amerika bringe. Ob diese schon auf der Reise sind, wiffen wir nicht zu sagen.) In der Hauptstadt Mexico hatte die Cholera nach dem 19. etwas nachgelaffen.
Allerneue ftes.
Wien, 6. Juli. Vor einigen Tagen ging von hier durch den Telegraphen der Befehl nach Verona ab, drei mit Namen bezeichnete Regimenter der italienischen Armee nach Galizien zu senden und zwei andere auf Marschbereitschaft zu setzen.
Wien, 10. Juli. Wie stark die Zahl der russischen verwundeten Soldaten seyn mag, geht aus der Thatsache hervor, daß am 27. Juni, also an einem einzigen Tage, 450 Wagen mit Verwundeten in den Spitälern zu Jaffy eintrafen. Auf 12 Wägen befanden sich Leichen der Unglücklichen, die am Transporte starben.
Als nächste Folge der hier eingelangten Antwort Rußlands auf die österreich. Som- mation wird die Wiener Conferenz eine Sitzung eröffnen, um zu entscheiden, ob die russischen Propositionen annehmbar oder zu verwerfen sind. Die sodann auf Grund des Con- ferenzbeschluffes an Rußland zu ertheilende Antwort wird im Einvernehmen mit Preußen abgesaßt werden.
Wie man in hiesigen unterrichteten Kreisen erzählt, war das Handschreiben des Czars, welches der russische Geheimrath Fürst v. Gortschakoff dem Kaiser überreicht hatte, in sehr freundlicher und schmeichelhafter Sprache «bgefaßt. Der Kaiser von Rußland gab in selbem die Möglichkeit einer theilweise irrigen Auffassung der vorliegenden Streitfrage von Seiner Seite zu und sprach den Wunsch und die Hoffnung aus, es möge zwischen Oesterreich und Rußland das letzte Wort noch nicht gesprochen seyn.
Paris, 13. Juli. Der Kaiser richtete bei der Revue, welche er gestern über die im Lager von Boulogne versammelte Armee hielt, eine Ansprache an die Truppen, die im Wesentlichen nachstehenden Inhaltes ist: „Soldaten! Rußland hat durch sein Verfahren Frankreich und dessen Verbündete zum Kriege genöthigt. Frankreich hat 500,000 seiner Söhne bewaffnet, England ansehnliche Streitkräfte in's Feld gestellt. Die Flotten und Heere Frankreichs und Englands sind nun die Herren auf dem baltischen, wie auf dem schwarzen Meere. Britische Kriegsschiffe werden Euch an Bord nehmen, um euch nach dem Kriegsschauplätze zu bringen; eine in der Geschichte einzig dastehende Thatsache, ein offener Be-