Vierte Beilsge M M 163> Mittwoch, dm 12, Juli 1854
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Wien, 8. Juli. Reisende, die am 3. d. aus dem benachbarten Polen in Krakau eintrafen, erzählen, cs sey dort Alles in Bewegung. Auf allen Straßen begegnet man Militär, das gegen die österr. Gränze geht, ebenso zahlreichen Gepäck- und Fouragewägen. Die Truppen bewegen sich übrigens in Folge eines neuestens aus Petersburg erschienenen Befehles in Eilmärschen. Alles deutet darauf hin, daß Rußland nicht gewillt sey, nachzugeben, sondern den Kampf auch mit den deutschen Großmächten ausnehmen wolle.
Bei der Abreise des Fürsten Gortschakoff von Petersburg befanden sich 50 Kriegsschiffe der vereinigten englisch-französischen Ostseeflotte 6 Werst (also außer Schußweite) vor Kronstadt. Viele Bewohner von Petersburg hatten sich nach Peterhof begeben, um sich die feindlichen Schiffe anzusehen. Unter ihnen befand sich auch Kaiser Nikolaus mit der Kaiserin, welche durch ein Fernrohr das großartige Schauspiel gleichfalls in Augenschein nahmen. Fürst Gortschakoff, der den Kaiser begleitet hatte, fragte an, ob er nicht Angesichts der drohenden Gefahr seine Abreise verschieben solle; der Kaiser aber erwiderte: „Reisen Sie immerhin, es hat keine Gefahr." In der That beschränkte sich Napier darauf, durch einzelne Schiffe das Fahrwasser vor Kronstadt untersuchen zu lassen. Was nach der Abreise Gortschakoffs geschehen ist, wissen wir allerdings nicht.
Wien, 9. Juli. Im Gegensatz zu den von der „N. Pr. Ztg." über die Antwort Rußlands gebrachten Angaben vernimmt man, daß der Czar allerdings das Protektorat der vier Mächte über die Christen in der Türkei anerkenne, daß er aber dessenungeachtet seine die griechischen Christen speciell betreffenden Forderungen aufrecht erhalten müsse. Es liegt demnach auf der Hand, daß auch diese Concession nur eine scheinbare ist, sowie es überhaupt kaum mehr eines Beweises bedarf, daß die ganze Anwort nichts weiter als eine maskirte Ablehnung ist, die keinen andern Zweck hat, als Zeit zu gewinnen, um die eigenen Rüstungen zu vervollständigen.
Paris, 11. Juli. Die Einschiffung der von General Baraguay d'Hilliers befehligten Truppen nach dem baltischen Meere wird gegen den 16. d. in Bouloane statt- sinden. — Der Kaiser und die Kaiserin werden am 19. die Reise nach dem Süden antreten.
Nach hierher gelangten Nachrichten wäre die berühmte Sängerin Henriette Sontaa am 11. Juni in Mexiko der Cholera erlegen.
Madrid, 10. Juli. Die Insurgenten sind völlig entmuthigt und marschiren nach Andalusien. Eine Heeresabtheilung unter dem Commando des Kriegsministers verfolgt sie.
Petersburg, 4. Juli. Ueber die Bewegungen der feindliHen Flotte werden hier die folgenden Depeschen veröffentlicht: „Juni, 28. Reval: Der Feind kreuzt mit gerefften Segeln. „Porkalaudd: Der Feind befindet sich in dem angezeigten Rendezvous, 1 Dampfer, und dreizehn Werst südwestlich zwei Drei-, zwei Zweidecker und 1 Dampfschiff „Telegraph von Kraßnaja-Gora: Ein feindlicher Dampfer ging nach Biorkö. „Kronstadt: Im nördlichen Fahrwasser haben alle Dampfer die Anker gelichtet und sich zu ihrer Flotte begeben. „Reval: Ein feindliches Schiff ist auf eine Sandbank gerathen und oc- strandet. „Tolsburg: Der Feind steht vermittelst Userböte in Verbindung mit dem Lande „Telegraph von Kraßnaja-Gora: Ein englischer Kriegsdampfer kommt aus denSSeeren hervor. „Juni 29. Kronstadt: Bei der feindlichen Flotte lassen einige Dampfer die Ma- schlnen anarbetten. „Kraßnaja-Gora. Der Feind wird von zwei Leuchtthürmen aus beobachtet. Ein feindlicher Dampfer mit einem Schiffe im. Schlepptau kommt aus den Scheeren hervor. „Außerdem wird noch eine längere Reihe anderer, auf die Bewegungen des Feindes bezüglicher Depeschen veröffentlicht, die jedoch älteren Datums sind und dahex ihr Interesse verloren haben."