Einzelbild herunterladen
 

darin Porträte, die Jedermann wiedererkennt. Anfangs laS die feine Welt das Buch nur verstohlen, nach und nach schwand aber die Scham und jetzt kann man es in den Salons der vornehmsten Damen finden, sogar jener, die für prüde gelten. Nun hat die französische Regierung das Buch endlich verboten; wohl weniger seines Inhalts wegen, alö weil man eine ganze Lorettenmemoirenliteratur von bekannten Loretten, Tänzerin« neu ic. fürchtete, die mit ihren pikanten Abenteuern ein so gutes Geschäft wie die Mo- gador machen möchten.

Frau v. Lagrange, die erste Größe unter den jetzt lebenden Koloratursängerinnen, wird in Bad Homburg, wo sie ein Concert gibt, und auch aus der Frankfurter Bühne dieser Tage ein Gegenstand der Bewunderung werden. Wie wir hören, ist es der Direc- tion gelungen, Frau v. Lagrange für einige Gastrollen auf der hiesigen Bühne zu ge­winnen. Wir wollen uns nicht anmaßen, etwas Empfehlendes über diese große Künst­lerin aus der italienischen Schule hier sagen zu wollen. Nur so viel sey bemerkt, daß die Opernvorstânde in London, Paris, Mailand und Petersburg beständig um ihren Besitz rivalifiren und ihre Töne im eigentlichen Sinne des Wortes in Gold fassen. Wenigstens hat man ihr soeben wieder von Petersburg aus 100,000 Franken für ein Engagement von fünf Monaten ««geboten.

Franz Liszt wird die nachgelassene Oper ^Alphonso und Estrella« von Franz Schubert in Weimar zum erstenmale zur Aufführung bringen, und dies würde jeden­falls eine der dankenswerthesten künstlerischen Unternehmungen seyn, die der Genannte dort zur Ausführung brächte.

Der gefeierte Dichter ündHofschauspieler Feodor Lowe m eiuttgart hat von dem Großherzog von Hessen die goldene Medaille am Bande für Kunst und Wissenschaft erhalten Herr Löwe ist der Dichter der weithin bekannten „Fahnenwache.

Durch die Gefälligkeit unserer Theaterdirection und die Mitwirkung mehrerer unserer ersten Opernmitglieder und Virtuosen ist unserem verdienstlichen Orchestermitgliede Herrn Ripperger eine große musikalische Matinee zugesagt worden, auf die wir um so mehr aufmerksam machen, da mit dem bevorstehenden Kunstgenuß zugleich eine altcollegialische Humanität von Seiten der Mitwirkenden verbunden ist. Die dringende Einladung zu diesem Concert dürfte daher sowohl durch die mitwirkenden Kräfte, wie durch deren mil­den Tendenz gerechtfertigt seyn. Näheres über Ort und Zeit wird demnächst bekannt gemacht werden.

In der „Indra" trat Fräulein Jenny Hoffmann nach ihrer Urlaubsreife zum ersten Male wieder als Zigaretta auf und wurde freundlich vom Publikum empfangen. Bekanntlich ist die Zigaretta eine der lieblichsten Rollen dieser anmuthigen Künstlerin. Frau Anschütz als Indra war heute besonders bei Stimme nnd ihr Glöckchenlied tönte wie Zaudergesang in unser Ohr. Herr Flo tow kann den hiesigen Erfolg dieser Oper gewiß hauptsächlich nur der herrlichen Darstellung der Frau An schütz als Indra verdanken, die sich aus dem reichen Garten ihres poetischen Gemüthes eine duftige Blumenkrone gewunden und sie mit unübertrefflicher Anmuth um diese Rolle geschlungen hatg ein Bild voll Liebreiz, Dust und tiefen Gefühls. Z.

MsMsfts Machmchtem»

V Wien. Die Notifikation des zwischen Oesterreich und der Pforte abgeschlossenen Vertrages hinsichtlich der Besetzung der Donaufürstenthümer, so wie des Einrückens unserer Truppen daselbst, wurde durch einen eigenen Courier nach Petersburg abgesendet. Obwohl man von dieser Thatsache gewiß seit längerer Zeit schon an der Newa in Kenntniß war, so dürfte doch sicher der Wortlaut des Vertrages in Petersburg sehr unangenehm berühren.

V Berlin. Verschiedene Geistliche, welche die Kanzel seit langer Zeit zu poli­tischen Orationen mißbrauchten und sonntäglich für den Sieg der christlichen russischen Waffen gegen die Heiden und Feinde des Kreuzes flehten, haben vom Kultusminister die