Intelligenz-Blatt
der steten MM MWiirt
(Mrditio«r-Cssq>tok am hl. Eeistpforichen M 214?).
pW 150. Dtwstag, dm 27. Imti 1854.
Ueber-lick der Ereignisse im Erbiete der politischen und materiellen Jntereffen.
Frankfurt, den 27. Junk. Gutzkow'S «Unterhaltungen am häuslichen Herd" bringen unter obiger Rubrik den nachstehenden Artikel, der nicht nur durch seine treffenden Bemerkungen und die klare Erkenntniß der Zertverhältnisse sich auSzeichnet, sondern auch wegen der Wichtigkeit des hier behandelten Gegenstandes daS lebhafteste Interesse zu erregen geeignet seyn dürfte: Eine Hoffnung, mit welcher sich die âberwieqetld große Mehrzahl der Menschen in unseren theueren, kriegerischen Tagen tröstet, ist die Aussicht auf Rückkehr der Wohlfeilheit der Lebensmittel. Für wie berechtigt diese Hoffnung auch gehalten werden mag, sie schrumpft bei näherer Betrachtung auf ein sehr bescheidenes Maß zusammen, und es dürfte zeitgemäß seyn, daran zu erinnern, daß triftige Gründe vorhanden sind, welche jene Erwartung wahrscheinlich zu nichte machen Die Ursachen der seit vorigem Sommer besonders in den mittleren und unteren Schichten der Bevölkerung so schmerzlich empfundenen Theuerung liegen tiefer als in der Mangel- hafngkert der vwiahrrgen Ernte und in dem Auebruche des Krieges gegen Rußland Allerdings muß ein Theil des Preisaufschlages der Lebensmittel diesen beiden vorübergehenden Umstanden zugeschrieben werden, aber außer diesen sind andere bleibende Erscheinungen vorhanden, welche in Deutschland einen bedeutenden Rückgang der Preise sehr unwahrschemltch, wenn nicht geradezu unmöglich machen. Erwägen wir nur fol- gende Umstände: In den meisten europäischer Staaten übersteigen seit den letzten Jahren dre Ausgaben die -Staatseinnahmen. In Folge dessen wird die Steuerkrast der Bevöl- keruug mehr und mehr in Anspruch genommen. Der Bürger ist genöthigt, den Sea-n des Friedens und der öffentlichen Ordnung, die Sicherheit des Eigenthums, die unqe!
der Gesetze theurer zu bezahlen als früher; feine Leistungen für den indirekten Steuern, welche er zu erlegen hat, nehmen zu/ Was er sich und den Lein gen entziehen muß, um es in die Staatskasse zu geben, das sucht i^pr11!^ dadurch zu ersetzen, daß er seine Arbeit, bei nur gleicher Güte,
?E- Er nchlâgt den Ausfall seines Nettoverdienstes auf seine Produkte und kommt seinem Schaden jo viel wie möglich nach. Die Zunahme der Be- volk^ung und der wachsende Bedarf an Lebensmitteln aller Art sprechen ebenfalls für d"^ ^n bedeutendes Sinken der jetzigen LebenSmitteipreift in Deutschland h &S um^np wmi ^^^' ®!? deutsche Bevölkerung hat sich in letzter Zeit all- Sh^ foL^n ™ vermehrt; dabei sind die Bedürfnisse vervielfältigt avorden dem i ntSli rä^Ständen t^r bürgerlichen Gesellschaft bedeutend gestiegen. Auf hm platftn Lande führte ferner die Befreiung deS Bodens, die Ablösung der gutSherr-