Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt.
(Expeditionö-Eomptoir am hl. Geistpförtchm M 214;).
M 148. Samstag, dm 24. Juni 1854.
UeberblLck der Greignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, den 24. Juni. Wir lesen täglich in den Zeitungen, zu welchen Massen die deutsche Auswanderung anschwillt. Theils kommen uns aus den Ha- fenstädten Nachrichten zu von dem Mangel an Schiffen, da die Erpeditionen alles bisher Dagewesene übersteigen, theils lesen wir Briefe aus dem Binnenland, daß ein unver- hältnißmäßig großer Theil der Bevölkerung sich zum Abzug in die neue Welt rüste. Man hört bei dieser Gelegenheit wohl Leute, die fich mit dieser wichtigen Angelegenheit nicht weiter beschäftigt, die Uebervölkerung von Deutschland als Ursache anklagen. Wenn man aber bedenkt, daß eines der am allerschwächsten bevölkerten Länder, Mecklenburg, das vcrMlklißmäßM stärkste Kontinent an Europamüden stellt', so wird man durch diese Er- klânsi sich nicht befriedigt finden. ES ist zunächst die Aufgabe der bei unS noch in der Kindheit stehenden vergleichenden Statistik, die normale Bevölkerungszahl für jeden einzelnen Gau Deutschlands aufzufinden. Wo, als Folge geographischer Laae oder politischer Verhältnisse, die Mittel deS Erwerbs zahlreich, MMnigfaltig ineinandergrelfend und sich gegenseitig unterstützend gruppirt find, da nehmen sogar die von der Natur gebotenen Hülfsmittel, unter den Ursachen gedrängter Bevölkerung nur eine untergeordnete Stelle ein. Ferner, wo Boden und Klima eine Mischung der land- wtrthschaftltchen und veredelnden Gewerbe nöthig machten oder begünstigten, da häuft sich die Bewohnerzahl, denn die engen Beziehungen, welche diese verschiedenen Arien der Arbeit dann eingchen können, vermehren deren Ertrag ganz außerordentlich. Wo der Boden fruchtbar genug ist, um für seinen Anbau besonders belohnend werden zu können oder um eine den örtlichen Verhältnissen angemessene Theilbarkeit zu gestatten, oder um zu besonders gewinnbringenden Arten des Anbaues verwendet zu werden, da entsteht eine zahlreiche Bevölkerung, weil die Arbeitskräfte eine hohe Verwerthung finden. Freiherr Dr. v. Reden hat in feinem neuesten Beitrag zu der vergleichenden Statistik: ^Deutschland und das übrige Europa rc. rc. Wiesbaden 1854«, nach den neuesten Ermittelun- gen eine Re he von Staaten und Staatentheilen aufgestellt, welche die verschiedenen Be- ^//^ngSstufen von Deut^ vertreten. Zu den eben geschilderten gehören Triest mit Gebiet mit 50,^97 Einwohner auf die Geviertmeile, Frankfurt a. M. mit 39,973, RQTü^e9 mm 3^059, Bremen 19,214, Regierungsbezirk Düsseldorf 9752, Rheinhessen B unh Ä 8733, würtemb. Neckarkreis 8283, Königreich Sachsen 7317,
rc. rc. Dagegen, wo Boden und klimatische Verhältnisse dem ertrag- und umfangreichen Landbau wesentliche Hindernisse entgegenstellen, wo für den veredelnden Gewerdfleiß noch kein Anhalt gefunden worden ist, da wird selbst eine dünne