Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankâtt. /F^
(ExpeditionS-Comptoir am hl. Gerstpförtchm M 214 $).
â 114. Samstag, den 13. Mai 1854.
UeberbliS der GreiMLUe im Gebiete der poWifärm «nd MateriâN I«LereMK.
Die Kunde der Länder, wo sich Großes begibt,
, ist »or Allem nöthig , um den Ereignissen folgen
zu können. Göthr.
Frankfurt, den 13 Mai. Wir fahren heute in unserem Uebes bilde fort in der Betrachtung der westlichen slawischen Nutzer des türkischen Reiches in Europa, die jetzt alle Menschen beschäftigen, und wenden uns zunächst nach Bosnien, welches durch seine Lage zwischen den österreichischen Provinzen Dalmatien, Kroatien und Slawonien eine ganz besondere Aufmerksamkeit verdient. Von den übrigen türkischen Landen gegen Osten durch das halb unabhängige Serbien getrennt, gegen Süden von Albanien durch Montenegro geschieden, bildet eS in seiner vereinzelten Lage eine feste Burg der türkischen Macht. Seine Bewohner find Slawen, theils serbischen, theils croatischen (chorwatischen) Stammes, zum größeren Theile dem Islam zugethan; die christlichen Bewohner find theils Griechen, theils Katholiken. Bosnien ist ein wllscS, wenig bekanntes Bergland von eigenthümlicher Gestaltung. Die Karte von Dalmatien und seinen Reben- und Hin- terlanden bietet dem an scharfe Wasserscheiden und schön gegliederte Flußgebiete gervötti- ten Auge einen höchst fremdartigen Anblick dar. Bon der SüdsviZe der istrtschen Halb« Insel bis zur Südgränze deS KatferstaateS wird die Küste von Bergzügen begleitet, die dieselbe von ihrem Hinterland« abschließen. Sie gewähren nur vier kleinen Flüssen: der Bna, Kerka, Dschettina und Rarrenta, einen kümmerlichen AuSgang ins Meer.
diesen Bergreihen beginnt aber nicht etwa daS San- und Donaugebiet, fie bilden c den westlichen Hau« eines weder zu jenem, noch zum Beckengebiet der Adria gehörigen, also gleichsam neutralen Territoriums, welches aus zusammenhängenden Massen größerer und kleinerer Bergkèssel besteht, deren Wasser keinen sichtbaren Abfluß haben (Karstformation). Oestlich von diesem, fast durchweg unfruchtbaren, häufig gänzlich unwirthsamen und rauhen Kessel Gürtel beginnen die bosnischen Parallelketten, welche in der Richtung von Südwest nach Nordost streichen und durch deren Längenthâèer die südlichen Nebenflüsse der Sau ihren Weg zum Hauptstrom nehmen. „Wo die Bäume aüfhören und die Steine anfangen, da Höri Bosnien aus und sängt Salmatfen an * Mit diesen Worten eines Kenners des Landes erklärt sich die auf der Karte so auffallende Erscheinung, daß ein schmaler Gränzstreisen in anderen Händen ist als das Hinterland. In jahrhundertelangen Kämpfen konnte weder Venedig, von welchem Oesterreich den größten Theil seines dalmatischen Gebietes überkommen, seine Gränzen ins Innere ausdehnen, noch konnten die Türken, welche von 1463 —1483 Bosnien gänzlich