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Intelligenz-Blatt

der steten NW Frankfurt.

(ExpeditionS-Comptoir am hl. Geistpförtchm M 214;).

M 112. Dowetstag, dm 11. Mâi 1854.

NebsâLK der GssLKKiffe im Webiets der psLLtifche« «Wh materieAerr JNtereGKn.

Bilder der Lander, wo zwei Völker streiten,

sind stets interessant. .

Frankfurt» den 11, Mat. Wir haben früher unseren Lesern Schilderungen auS den östlichen Gegenden des türkischen Reiches mitgetheilt, welche damals besonderes Interesse boten. Wie im vorigen Jahre die Moldau und Wallachei, der Bosporus und die Dardanellen, so ziehen jetzt die westlichen Gegenden der Türkei die allgemeine Auf­merksamkeit auf sich. Besonders wichtig als eine feste Stellung der osmanischen Herr­schaft zwischen dem aufständischen Thessalien und dem ewig unruhigen Montenegro ist das Gebirgsland Albanien, welches zu zwei verschiedenen Epochen, zu den Zeiten EkanderbegS (1443— 1467) und Ali Pafcha'S (1790 -1820) die Aufmerksamkeit von Europa fesselte, meist aber unbeachtet und im Ganzen wenig bekannt blieb, wozu eben so sehr die Unzugänglichkeit deS Landes, als die unverständliche Sprache seiner Bewohner beigetragen hat. Albanien hat eine Küstenerstreckung von 100 und eine Breite von' 30 Meilen; sein Inneres ist von einem Netz von Gebirgen durchzogen, in deren Bildung sich ledoch drei große Abtheilungen, in Nord-, Mittel- und Süd-Albanien, unterscheiden lasstn. Richt minder zerklüftet ist das kriegerische Volk, das es bewohnt. Der Religion nach zerfällt eS in eine größere muhamedanifche und eine kleinere christliche Hälfte; von der letzteren sind etwa 100,000 Katholiken, die übrigen Griechen. Der Sprache nach unterscheiden sich ToSken und Gegen, zwei feindlich gesinnte Stämme, und jeder derselben zerfallt wieder in eine unzählige Menge kleiner Unterabteilungen, nach Wohnort, ga# miuenbanden, Religion verbunden und durch dieselben auch feindselig von anderen Ge. nossenschaften getrennt; der Haß wird durch die Blutrache oft Jahrhunderte lang fort# geerbt. DaS Land hat dadurch Aehnlichkeit mit den mittelalterlichen Zuständen des Faust- rechts oder noch mehr mit Gallien, wie uns Iulius Cäsar dessen Clanverfassung zu seiner

schildert. Ackerbau und Viehzucht sind die Erwerbsquellen der Einwohner; ihre Ausfuhr vermittelt Triest, welches dafür Colonial- und Manufakturwaaren, meist eng- lischen Ursprungs, einführt. — 1478 wurde Albanien von den Türken erobert; dieses Ereigniß änderte im Wesentlichen die Zustände dcö Landes durchaus nicht; ein großer Lheil des Volkes nahm den Islam an, aber sie blieben Albanesen mit albauefischcN Nationalbewußtseyn, und noch heute sind alle, Christen wie Muhamedaner, stolz auf vtanderdeg und Alt Pascha von Janina. So prägte die abgeschlossene Gebirgsnatur dem Volke nach außen den Charakter der Einheit aus, während die Theilung desselben in viele kleine Theile noch immer kein politisches Ganze zu Stande kommen ließ, solange