der freien KtM Frankfurt.
(ExpeditionS-Comptoir am hl. Geistpförtchen M 214°).
M106. Donnerstag, den 4. Mai 1854.
UeberMict der GreiguLffe im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Ein traurig Bild, doch ist es nur zu richtig, Krank ist der Mann, sehr krank, und wird verende«; Ihr müßt an's Erbe denken, alter Freund!
Frankfurt, den 4. Mai. Die Weltlage hat sich seit den letzt«! Tagen abermals geändert und nicht zum Vortheil der Türken. Der griechische Aufstand hat auch in der Herzogewina seinen Wiederhall gefunden und die Montenegriner rüsten sich zum Kampfe. Die Verschiebung der russischen Operationen an der unteren Donau hat dem Punkte,Kalafat mit seinen kostspieligen Befestigungen jede Wichtigkeit genommen. Wenn auch die Türken am 29. in Krajowa eingczogen sind, so wird Achmet Pascha'S schwache HeereSabtheilung doch schwerlich hinreichen, über die Aluta vorzudringen, da Omer Pascha alle Verstärkungen zur Behauptung seiner Stellung braucht. Der Stützpunkt des westlichen Flügels von Omer Pascha ist nach den letzten Nachrichten bereits sehr bedroht. Ob die Westmächte genügende Verstärkungen nach dem östlichen Stützpunkt, dem schwach besetzten Varna, entsandt haben, ist noch nicht bekannt. Der Geldmangel der türkischen Regierung ist so weit gediehen, daß in Asien den Beamten auf ein Vierteljahr ihr Gehalt suSpendirt wurde, und alle Aussichten zu einer Anleihe find gescheitert. Am 16. April waren nach offiziellen Mittheilungen 36,000 Mann HülfStruppen in Gallipoli; über eine weitere Verstärkung der ursprünglich beabsichtigten Zahl derselben sind Unterhandlungen zwischen England und Frankreich im Gange. Sey es die Sorglosigkeit deS englischen Consulö, sey es der hemmende Einfluß des türkischen VerwaltungSgangeS, — die zuerst ankommenden Franzosen fanden wenig Vorbereitungen zu ihrer Aufnahme und schlechte Unterkunft. Roch schlimmer ging eS den später eingetroffenen Engländern, welche alle erträglichen Quartiere in Gallipoli von Franzosen belegt sanden, und cS ist nicht unwahrscheinlich, daß eine Spannung zwischen den HülfSvölkern entstanden ist, deren Freundschaft überhaupt von sehr jungem Datum ist. Der Anblick der ersten orientalischen Stadt von innen mag auf die in Gallipoli ftaiionirten Truppen eben so ent# muthigend gewirkt haben, als die schmutzige türkische Artillerie-Kaserne in Konstantinopel auf die darin bequartierten verwöhnten Coldstream-Garden. DaS malerisch gelegene Gallipoli fand der Korrespondent der „Times« von innen aus einem Haufen der elendesten Baracken bestehend, die ihre Giebel gegeneinander neigen; die engen, gewundenen, bergauf bergab laufenden Straßen vergleicht er den Gängen eines Bücherwurms in alten Folianten; in den Gassen wechseln große Steine mit Psüyen ab. So zieht sich die Stadt, deren Name KallipoliS „die schöne Stadt« bezeichnet, am Abhang des kahlen Hügels bis