Intelligenz-Blatt
der fielen Stadt Frankfirt.
(Expeditions-Comptoir am hl. Geistpförtchen M 214;).
M 100. Donnerstag , den 27. April 1854.
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Usbsrbliâ der Ereignisse im Gebiete der politischen und WGtsLiellen ZnteNeffen»
Seifenblasen, die in der Luft verweh'n!
Frankfurt, den 27. April. Die orientalische Frage hat schon eine eigene Literatur von Druckschriften hervorgerufen. Wir haben bereits früher in unseren Ueber* blicken diejenigen unter denselben besprochen, welche für die Auffassungen weiterer politischer Kreise charakteristisch find; aus diesem Grunde können wir daher auch nicht umhin, die kürzlich von dem bekannten Historiker Karl Hagen in Heidelberg herrührende „Oestliche Frage" in diesen Überblicken zu besprechen. Obwohl von einem Historiker, so ist doch in dieser Schrift der tendenziöse Charakter so stark ausgeprägt, daß die Wahrheit der Thatsachen nicht selten völlig zur Illusion wird. Von einem glühenden Hasse gegelt Rußland beseelt, ist eS dem Verfasser gelungen, die Macht dieses StaateS als ganz unbedeutend darzustellln. Zum Beweis hierfür führt derselbe die Feldzüge von 1828—29 und 1830—31 an, wo Rußland nur sehr kleine Heere nach heutigem Maaßstabe 70—100,000 außer seinen Gränzen habe verwenden können. Wir glauben, daß diese Beispiele heute nicht mehr passen. In der langen FriedenSzeit unter Kaiser Alexander war das russische Heerwesen sehr vernachlässigt worden; in den ersten Jahren seiner Regierung konnte Kaiser Nikolaus dich Versâumniß nicht gut machen, auch hat man offenbar im Jahre 1828 den Widerstand, den das seit Vernichtung der Janitscharen neugebildete Heer der Türken und die Donaufestungen leisten könnten, zu gering angeschlagen; die ungeheueren Verluste, welche die Russen durch Krankheiten erlitten, waren aber durch Verhältnisse bedingt, welche außer aller Berechnung liegen. Daß Rußland damals als erstes Heer nur 70,000 Mann aufstellte, beweist noch nicht, daß eS nicht mehr aufstellen konnte. Noch weniger, maßgebend ist der Feldzug von 1831, für den Rußland keine Vorbereitungen treffen konnte und wo eS 40,000 Mann seiner besten Truppen als Feinde sich gegenüber sah. welche also in doppelter Anzahl abzurechnen sind. Allerdings braucht Rußland wegen der Weitläufigkeit seines Gebiets lange Zeit zu Vorbereitungen , aber im gegenwärtigen Falle hat eS diese Zeit in vollem Maaße gehabt. Eine Macht, welche eine Operationslinie von mehr als 100 deutschen Meilen von Ka- lafat bis Kustendje gegen ein starkes türkisches, gut geführtes Heer, das den Vortheil der Festungen und der beherrschenden Stellung hat, mit Erfolg zu vertheidigen und auf dem einen Punkte siegreich vorzudringen vermag, ohne den anderen zu entblößen, welche noch Truppen für Polen, Finnland und die Ostseeprovinzen übrig behält, ist denn doch nicht so ganz verächtlich, und derselben Meinung scheinen auch die Regierungen von England und Frankreich zu seyn, welche die Zahl ihrer HülfSiruppen fortwährend ver-