Achte Beilage M M 81. Mittwoch, VM 5, April 1854:
Man liest im „Morning-Herald": „Briefe von der Flotte im baltischen Meere berichten, daß diese so lange in der Bucht von Kioge bleiben werde, bis die Schiffsdivision, die vctt England abgegangen, um zu ihr zu stoßen, bei ihr eingetroffen seyn werde; dann würden die vereinigten Streitkräfte sich in Bewegung setzen, um den Feind aufzusuchen und anzugreifen.
DaS Linienschiff „JameS Watt" (90 Kanonen), welches zur britischen Ostsee-Flotte gehört, ist von Portsmouth, wie die neuesten Meldungen von dort berichten, nach dem bak tischen Meere abgegangen.
*** Paris. Ein Hirtenbrief deS Erzbischofs von Paris verkündigt im Namen der Kirche, daß der Krieg im Oriente ein geheiligter und ein „katholischer Krieg" sey. In diesem Hirtenbriefe ertheilt der Erzbischof Sibour dem Kaser Napoleon IIL die größten Lob spräche, den er darstellt alS durch Gottes besondere Fügung an die Spitze unserer Nation gestellt.
g DaS „Bulletin de Lois" veröffentlicht ein kaiserliches Decret, durch welches der Finanz- Minister ermächtigt wird, der ottomanischen Regierung einen Vorschuß von 10 Millionen Fran:» zu machen; dieser Vorschuß wird verzinst und zurückbezahlt theils aus dem Ertrage deS ersten Anlehens, welches die ottomanische Regiemng contrahiren würde, theils in Lebensmitteln und Lieferungen.
Briefe auS Malta vom 27. März Abends theilen mit, es sey die Nachricht eingetroffen, daß eine Division der türkisch-ägyptischen Flotte im Archipel angelangt wäre und daselbst Position genommen hätte.
%* Neapel. Handelsschiffe für Rechnung der französischen Regierung werden zahlreich gemiethet. — Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen ist am 19. von Pe« lermo nach Messina abgereist.
*** Konstantinopel. Englische Kommissäre sind angelangt, um die Proviante für die Ankommenden HülfStruppen vorzubereiten und man berechnet dieselben für 100,000 Mann;
V Bukarest. Die Ursache der rückgängigen Bewegung der Türken ist nicht bekannt. Auf einen so wohlfeilen Uebergang gerade bei Galacz und Braila haben die Ruffen nid t gerechnet; denn die Zahl ihrer Todten, deren mehr als die Hälfte von den Wellen der Donau verschlungen wurden, beträgt am 22. über den ganzen Tag und am 23. bis 1 Uhr Nachmittags nicht viel über 400. Um so blutiger war der Uebergang oberhalb Tultscha zwischen dieser Festung und Jsaktscha. D-ie Unternehmung leitete General Ucziakoff, ungefähr eine Stunde weit von Tultscha dowauaufwärts. Es galt, drei türkische, vorlheilheft postirte Batterien entweder verstummen -zu machen oder mit dem Bajonette zu nehmen und da daS Erste bis Mittag nicht gelang, sr, wurde Nachmittag das Zweite versucht. Das erst-e mit der gefährlichen Unternehmung beauftragte Bataillon wurde in weniger als 34 Minuten über die Hälfte vernichtet; einem zweiten Bataillon erging es um 3 Uhr nicht besser, und erst den, dritten Bataillon gelang es, festen Fuß am jenseitigen Ufer zu setzen. Inzwischen waren oberhalb und unterhalb des Kampfplatzes andere Abtheilungen russischer Infanterie und Kavallerie über den Strom gegangen, und nun entstand ein verzweifelter Kampf um die drei Batterien. Endlich mußten die Türken der Uebermacht. weichen, und eè gelang ihnen, zwei Batterien, bloß mit Verlust von einer Kanone, zu retten ; dagegen wurden drei türkische Compagnien, welche die dritte Batterie vertheidigten, von den Ruffen umzingelt und nach einem mörderischen halbstündigen Kampfe zur Hälfte niedergemacht, zur Hälfte gefangen genommen und die ganzeBatterie erobert. Der Verlust der Russen bei diesem Kampfe wird in zwei Privatbriefen auf wenigstens 1500 Todte angegeben.
V Matschin. Jene RedcHlten, welche Omer Pascha in seinem neuesten Bulletin als überaus stark schildert, wurden mit stürmender Hand, leider mit einem Verluste von 350 Todten genommen, ^ie Türken vertheidigten sich heldenmütig u?.d ließen viele Todte und