darstellt. Wir begnügen unS damit, aus dem „Preuß. Wochenblatt" selbst (No. 9 vom 4. März) folgende Stelle anzuführen, welche beweisen mag, in welchem Sinne jene Par- tei noch vor wenig Wochen die Aufgabe der preußischen Politik ausgefaßt hat. „Oesterreich", so heißt eS dort wörtlich, „kann selbst am Kriege Theil nehmen, ohne Deutsch- land nothwendig hineinzuziehen; Preußen nicht mehr. Wenn beide Großmächte sich activ auf eine der beiden Seiten stellen, so würde der Rest Deutschlands einer Theilnahme am allgemeinen Kampfe sich nicht entziehen können. Diese freie und unabhängige Haltung kann ihr nur durch Preußen bewahrt werden. ES ist darum ein Glück für Deutschland, daß Preußens nächste und unmittelbare Interessen eS nicht zwingen, unmittelbar materiell in eine Frage einzugreifen, deren endliche Lösung doch schwerlich ohne seine Stimme erfolgen kann. Seine Ausgabe ist eS ganz besonders, weil eS keine direkten Sonderinteressen zu vertreten hat, die europäische Seite der Frage im Auge zu behalten und ihr im rechten Momente Geltung zu verschaffen; seine Aufgabe, die eigentlich deutschen Interessen zu vertreten und ihnen Achtung, wo nöthig, zu erzwingen."--Wir haben die völlige Gewißheit, daß die k. preußische Regierung mit den soeben angeführten Grundsätzen im völligen Einverständnß ist, denn sie enthalten im Wesentlichen nichts Anderes, als was die jüngsten Erklärungen des Herrn Ministerpräsidenten in nachdrücklichster Weise ausgesprochen haben. Nicht die Regierung, sondern die „altpreußische Partei" verlâugnet daher das Programm, welches das „Preuß. Wochenblatt" noch vor Kurzem als das der Aufgabe Preußens angemessenste anerkannt hat. Die königliche Regierung hat vielmehr, um keinem Zweitel Raum zu geben, ausdrücklich erklärt, daß sie an den Grundsätzen der Wiener Beschlüsse festhält, die man einer Willfährigkeit gegen die russischen Forderungen wahrlich nicht zeihen kann.
Ein aus Petersburg eingetroffener Courier überbringt die Meldung, daß der Kaiser von Rußland das Ultimatum der Westmächte nicht beantwortet.
Es liegen uns zahlreiche Berichte über die Ueberschwemmungen vor, welche durch die Weichsel in Folge der Dammdurchbrüche stattgefunden haben. Alle Unterdörfer des Danziger Werders sind überfluthet und etwa 2 bis 3 Quadratmeilen des fruchtbarsten Landes in einen großen See verwandelt.
*** Weimar. Ein von unserem Ministerium an die sämmtlichen Schulbehörden in diesen Tagen ergangenes Rescript erledigt in erfreulicher Weise eine der edelsten Bestrebungen der Gegenwart, die Verbesserung der äußeren Lage der Volksschullehrer. Hiernach ist nämlich die geringste Besoldungszulage derselben 20 Rthlr., steigert sich aber nach den Umständen bis zu 60 Rthlr. Zu diesem Behufe ward von der Regierung eine sehr ansehnliche Summe in den Etat eingestellt und von dem Landtage auch bereitwilligst genehmigt. Das Minimum eines Lehrergehalts, ohne die gedachte Zulage, hat schon in den letzten Jahren 125 Rthlr. betragen.
*** Oldenburg. Als Commissarius für die fernere Leitung der Kriegshafen-Anlage an der Jahde ist der geh. Regierungsrath Hr. Kerst ernannt, welcher, ein ehemaliges Mitglied der deutschen Nationalversammlung, als Generalsekretär im Marinedepartement des Reichsministeriums fungirte. Von Hrn Kerst soll auch die Idee des Kriegshafens in dem Jahdebusen angeregt worden seyn.
*** Mecklenburg - Schwerin. In der Besetzung der höheren Staatsämter stehen, glaubwürdigem Vernehmen nach, mehrere Veränderungen bevor. Die Ministerial- Directoren v. Baffewitz und Knaudt (früher Mitglieder der Landesregierung) werden in den Ruhestand treten und durch den Oberappellationsrath Schmidt zu Rostock ersetzt werden. Als Nachfolger des Letzteren nennt man einen Beamten, der zur Zeit der Verfassung Mitglied des Ministeriums war.
OB*** London. Aus Preston wird berichtet, daß neun Delegirte und Mitglieder des Arbeiter-Comites verhaftet und Haftbefehle gegen noch mehrere erlassen worden. Gegen fünf ist die Untersuchung wegen Complottcs eingeleitet. Die Individuen, welche in Haft