Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt.
hl. Geistpfärtchen M 214?).
den 25. März 1854.
Ueberblick der Greigmffe im Gebiete der politischen und Materiellen Jntereffen.
Den einzelnen Verkehrtheiten des TageS sollte man immer nur große weltgeschichtliche Massen entgegensetzen. Fürst Metternich.
Frankfurt, den 25. März. In unserem vorigen Ueberblicke haben wir die in der zweiten preußischen Kammer gehaltene Rede deS preußischen Ministerpräsidenten besprochen, und so kurz dieses Datum auch erst hinter uns liegt, so hat doch der rastlose Telegraph uns schon wieder Kundrn von höchster Wichtigkeit gebracht. Die am 18. erfolgte Ablehnung deS englisch-französischen Ultimatums Seitens des Zaaren, die Einschiffung der ersten französischen ErpcditionStruppen unter Canrobert zu Toulon am 19., während schon früher zwei Regimenter der Besatzung von Rom Befehl erhalten, zur Einschiffung nach dem Orient sich bereit zu halten und vier sranzöfische Linienschiffe nach dem baltischen Meere instradirt worden sind, endlich die am 20 erfolgte Ankunft Rapier'S (sprich: Nehpihr) in Kopenhagen, wohin seine Flotte ihm zu folgen im Begriff steht. AuS diesem vorherrschend maritimen Charakter, den der Krieg gegenwärtig trägt und der daraus hervorgehenden überwiegenden Betheiligung Englands erklärt sich der herbe Ton, mit dem die „Times« die Stellung der deutschen Mächte, vorzugsweise Preußens, bespricht, während die französische Presse eS anerkennt, daß jede der beim Wiener Kongreß betheiligten Mächte nach ihrer Lage und ihren Interessen den Moment, wo ihre Action einzutreten hat, selbst zu bestimmen habe. Diese von den Interessen der Westmâchte verschiedene Lage von Oesterreich und Preußen war auch einer der Gründe, warum beide die Unterzeichnung einer von England und Frankreich Anfangs März vorgelegten Uebereinkunst abgelehnt haben, deren Hauptpunkte die Bürgschaft der Integrität der Türkei und die Revision der Verträge von 1841 waren. Hierzn waren sie um so mehr genöthigt, als die Vorbedingungen, wie die Integrität deS osmanischen Reiches mit Waffengewalt erhalten werden soll, jetzt erst in Konstantinopel zwischen der Pforte und den Seemächten, ohne Zuziehung von Preußen und Oesterreich, verhandelt wird, die deutschen Mächte also durch Annahme der ihnen vorgelegten Convention sich zur Ausführung von Maßregeln verbindlich gemacht hätten, die bis jetzt noch nicht feststehen. Die deutschen Mächte hätten also die Convention nur unter Vorbehalten annehmen können, um so mehr als in dem Entwurf, über welchen jetzt in Konstantinopel verhandelt wird, die Bedingung vorkommt, daß die Pforte nur unter Zustimmung der West Mächte Friede mit Rußland schließen darf. Auf diese Weise wäre der Gang der deutschen Politik von dem Belieben Frankreichs und Englands abhängig geworden.