Man schreibt auS Bad Homburg; Wir haben seit einigen Tagen daS herrlichst« FrühlingSwetter, so daß die großartigen Vorarbeiten zu unserem glänzenden neuen Kurparke schon begonnen werden konnten. Derselbe wird ein in jeder Beziehung prachtvoller werden und von Brücken, Wafferfâllen re. durchzogen seyn. — Der Carneval wurde bei uns durch einen glänzenden kostümirten Ball geschloffen, der die ganze hiestge Gesellschaft, sowie zahlreiche Fremde in den schönen Räumen unseres ConversationShauseS vereinte.
Dieser Tage kamen wieder zwei schöne, auS der Eßlinger Fabrik Hervorgegangene, für den Sömmering - Dienst bestimmte Monstre-Locomotiven per Main-Neckarbahn hier an und wurden aus der Main- Weserbahn weiter befördert.
Die Generalversammlung der Actionäre der Bank für Handel und Industrie in Darm« stadt wird im Monat Mai d. J. stattfinden.
Unsere Ostermeffe wird am 5 April d. I beginnen. ES werden aber wegen Verweigerung geeigneter Räumlichkeiten abermals keine MeßsehenswürdigkeitLN hierher kommen. Man sollte doch unserer lieben Jugend den Spaß gönnen und daS Aufschlagen der Buden auf dem Roßmarkte dulden, da eigentlich gar kein Grund da ist, warum man eS verweigert uud die Stadtcommandantur durchaus nichts dagegen einzu- wenden hat.
Die Generalversammlung deâ alten BürgervereinS war sehr besucht. Es wurde unter Anderem beschlossen, daß die ciumrl durchgesalleuen BorschlagScandidaten sich erst nach Verlauf eines Jahres wieder vorschlagen lassen können.
Einige Bierbrauer haben „eingetretener Umstände wegen" einstweilen ihre Beiträge zu den verschiedenen hiesigen Wohlthätigkeitsanstalten suspendirt.
Richard Wagn er's „Lohengrin" wird so eben von unserem Opernpersonal cinsiudirt und hoffentlich bis zur Ostermesse aufgeführt werden können.
Die Direktion der Frankfurt-Hanauer Eisenbahn hat beschlossen, vom 15. d. M. als Uebergang vom Winter- zum Lommerdienst einen FrühjahrSdtenst inS Lebe» treten zu lasten. Es wäre im allgemeinen Interesse, wenn die Verwaltungen der übrigen hier mündenden Eisenbahnen ein Gleiches thun wollten
Gestern um Mittag wurde in der Fahrgaffe ein Dieb auf frischer That ertappt und eingesteckt
Aus Anzeige eines der zwei hiesigen Rabbinen (deS Herrn Dr. Stein) soll ein jüdischer angesehener Gelehrter wegen unbefugter Trauung von dem Polizeiamt in Untersuchung genommen worden seyn Der gelehrte Copulant soll auf daS Bestimmteste und Ucberzeugendste dargcthan haben, daß nach dem jüdischen Gesetze, jeder gute Israelit, der bk vorgeschriebene Form weiß, zur Trauung berechtigt und befugt ist. Da die kirchliche Trauung überdtcß durch die vorgängige Civtlehe für die weltliche Ordnung ohne Bedeutung ist, so wird die Klage deS Herrn Rabbinen keinen günstigen Erfolg Haden.
Seit einigen Tagen läuft in der Stadt das vielfach geglaubte Gerücht um, daß man in einem versteckten Gewölbe deS Römers einen Theil der alten Reichsinsignien gefunden. Das Gerücht rührt offenbar daher, daß man die wenigen bet den Kaiserkrönungen benutzten Mobilien, namentlich die Sammetkissen, auf welchen die ReichSinfignten getragen wurden, die Decke deS Baldachins, unter welchem der Kaiser schritt rc. einige Tage zur Durchlüftung auslegte. Es ist bekannt, daß hier niemals, sondern nur in den Städten Nürnberg und Aachen Rcichsinfignien aufbewahrt worden sind.
Im Laufe deS dießjährtgen Sommers wird das altehrwürdige RathSzimmer — das ehemalige Wahlzimmer der deutschen Kurfürsten — renovirt werden, wobei jedoch die vielen in düsen Räumen angebrachten Erinnerungszeichen der Vorzeit unberührt zu bleiben haben.
Wie man hört, würde schon in wenigen Wochen die Wahl der betreffenden Bürgerschaft zur Ergänzung der sechs vacauten, bisher provisorisch verwalteten Quartier- BorstandSstellen stattfinden.