Vierte Beilage zu M 49» Sonntag, dm 26. Februar 18542
Ueber den Platz zur Aufstellung des Gutenbergdenkmals ist noch keine Entscheidung getroffen. Der Senat sowohl als der Bürgerausschuß haben sich die deßfallsige Bestimmung noch vorbehalten. Zwei Pläne des Bauamts und des Stadtbaumeisters schlagen die Stellen deâ GascandelaberS auf dem Roßmarkt und des dortigen Springbrunnens vor. Eine dritte Ansicht ist für die Aufstellung am Adlerbrunnen an dem Paradeplatz.
* Wie wir vernehmen, wird das Staatstelegraphenbureau der Main-Neckarlinie demnächst in daS Löwenstein'sche HauS, nächst der Börse verlegt. Vermittelst deS Anschlusses an die großherzogl. badischen Linien steht dasselbe nicht allein in Verbindung mit dem deutsch österreichischen Telegraphenverein, sondern auch mit der Schweiz, mit Italien, Frankreich und Großbritannien. — Namentlich dürfte dem HandelSstand die Nachricht willkommen seyn, daß der Verkehr mit Frankreich, welcher zwar bisher schon direct von hier ab bis Strasburg durch das vereinigte badisch-ftanzöstsche Bureau dortselbst vermittelt wurde, nunmehr in der Art eine Erweiterung gefunden hat, daß seit Kurzem eine direcie Verbindung von hier ab bis Paris hergestellt ist, die, sind wir recht unterrichtet, nächstens auch bis London ausgedehnt werden soll. Da außerdem hierselbst noch ein königl. preußisches Bureau besteht, so ist mithin dem Publikum hinlängliche Gelegenheit geboten, seine telegraphischen Korrespondenzen auf demjenigen Wege befördern zu lassen, welcher ihm am geeignetsten erscheint.
Abermals ist einer "nserer im Auslande in hohem Ansehen stehenden Mitbürger, der emeritirte Professor der Technologie an der Universität Tübingen, Herr Hofrath Dr. Johann Heinrich Moritz von Poppe, im Alter von 78 Jahren gestorben.
Die Actionäre der Frankfurt-Hanauer Eisenbahn sind auf den 29. März, 10 Uhr Vormittags, zu einer Generalversammlung in das KurhauS in Wilhelmsbad eingeladen.
Auch in Bad Homburg findet am Fastnacht-Dienstag ein großer costümirter Ball statt.
Die durch mehrere Blätter gelaufene und auch in unsere Tagesgeschichre übergegangene Notiz, als wären bei dem am 9. d. an der Aschaffenburger Brücke dem Schiffer EwertS von Klingenberg vorgekommenen Unfälle auch Menschenleben zu Grunde gegangen, bedarf der Berichtigung. ES ist Niemanden ein Leid passirt; bei der ganzen Affaire sind lediglich nur einige Körbe mit Eier etwas beschädigt worden.
DaS Gesuch der Bierbrauer um Zurücknahme der polizeilichen Verordnung in Betreff der Schließung der Wirthschaften bis 3 Uhr Nachmittags an Sonn- und Feiertagen wurde in der letzten Sitzung von hohem Senat abschlägig beschieden.
Demnächst soll eine Erhöhung deS Schulgeldes für das Gymnasium erfolgen, das in den unteren Klassen auf 50 fl, in den höheren Klassen auf 100 fl. bestimmt wird. Statt der bisherigen halbjährigen Lehrkurse werden Jahreskurse eingeführt. Zu den Kosten deS Gymnasiums hat das Aerar jährlich an 17,000 fl beizutragen
Auf unserer Main-Neckartelegraphenlinie sind die Nachtdepeschen den TageSdepescherr in Tare gleichgestellt.
Am Mittwoch Abend fand in dem schönen Saale der Westend-Hall ein reizender Künstlerball statt. Man darf wohl sagen, eS war die lebendig gewordene Poesie, welche ihre Schätze an jenem Abend entfaltete. Eine Zauberhand hatte den Saal in einen Elfenaufenthalt verwandelt, worin alle Gottheiten herabgestiegen schienen, ihr Traumleben zu verkörpern. Der König der Elfen mit strahlendem Diadem hielt seinen Einzug auf blumengeschmückten Wagen, gezogen von dem Waldgotte und gefolgt von Geistern und Gnomen, um seinen im Glanzmeere schwimmenden Thron, umgeben von der Niren lieblichster Schaar, zu besteigen. Es war ein schönes Fest, ächt künstlerisch. Poesie und Anmuth durch und durch, wie eS nur eine geniale Künstlerphantasie zu schaffen vermag.
Im Laufe der letzten Tage wurden abermals viele Pumpenrohre gestohlen.