Intelligenz Blatt
der freien MM äankfUrt. ^
(ErpeditionS-Comptoir am hl. GeistpförtchenA 214?).
M 46. Donnerstag, den 23. Februar 1854.
Ueberblick der Greigniffe im Gebiete der politische« und Materielle« Jutereffen.
Die Welt wird schöner mit jedem Tag, Wer weiß, was Alles noch werden mag!
Uhland.
Frankfurt, den 23. Februar. Muß auch im Hinblick auf die gegenwärtige Situation in der orientalischen Frage die Hoffnung auf Erhaltung deS europäischen Friedens schwinden und daS Borgefühl des Sturmes durch das Ausbleiben entscheidender Nachrichten vom Kriegsschauplätze nur um so stärker angefacht werden, so ist die Fassung, mit der man hier wie in ganz Deutschland im Allgemeinen der Zukunst entgegen steht, allerdings geeignet, eine lebhafte Besprechung in der Presse über die gegenwärtige Stellung Preußens zu motiviren. Der Rückblick auf die Entwicklung des orientalischen Konfliktes seit dem vorigen Sommer gibt Zeugniß von dem unverbrüchlich fest, gehaltenen Bestreben der köntgl. preuß. Staatsregierung unter allen Umständen von dem diplomatischen wie von dem eigentlichen Schlachtfelde unberührt zu bleiben. Weder die Besetzung der Donaufürstenthümer, noch das Einlaufen der französisch-engli- schen Flotte konnte dasselbe unterbrechen.
Die Betheiligung Preußens an der Wiener Konferenz zeigt das Verhältniß seines Antheils an dem europäischen Interesse zu seinem speciellen Interesse, wie eS durch daS bekannte Verfahren des Herrn v. Wildenbruch bei dem ersten eigenmächtigen Heraustreten der Westmächte in Betracht kam. Nach der ungünstigen Aufnahme der Wiener Vorschläge in St. Petersburg, nach dem Scheitern der Orlossschen Versuche, Deutschland zur Neutralität zu bewegen und die allgemeine Frage zur Lösung zu bringen, ist letztere an einen Wendep"nkt gelangt, welcher die Möglichkeit fernerer diplomatischer Unterhandlungen selbst in Frage stellt. Man erfährt, daß dieselbe in Oesterreich eine von der preußischen Politik abweichende Antwort findet. Während in Berlin der Faden der diplomatischen Unterhandlung als abgeschnttten betrachtet wird, hat man in Wien die Abreise des Grafen Orloff noch für eine neue Anknüpfung mit St. Petersburg zu nutzen gesucht. Graf Buol soll, wie zuverlässig versichert wird, kurz vor dem Scheiden deS russischen Friedensboten diesem eine Beilegung der zwischen der russischen Forderung und den Wiener Vorschlägen obwaltenden Differenzen noch dringend anS Herz gelegt und den Kernpunkt der letzteren in der als Bedingung gestellten schiedsrichterlichen Äonferenjmä^te und in dem, daS Protektorat über alle türkischen Unterthanen der griechischen Kirche betreffenden Ansprüche nachgewiesen haben. Zur definitiven Beilegung dieser Differenzen ist die Vorlage einer neuen russischen Eröffnung von dem Gra.