Der schöne Maskenball der Gesellschaft Euterpe im Harmoniesaale war jsehr zahlreich besucht, und brillirte durch reiche Kostüme, durch echten EarnevalShumor und große Abwechselung der verschiedensten Charaktermasken. Bis früh am Morgen dauerte das schöne Fest, das alle Theilnehmer auf'S Höchste befriedigte.
Ein Gaunerstreich, wie man sie nur aus größeren Städten berichten hört, macht hier und in der Umgegend viel von sich reden. ES kam nämlich dieser Tage ein junger Mann zu einem Mainzer Silberarbeiter, bestellt bei demselben zwölf schwere Löffel für den in der Nachbarschaft wohnenden Pfarrer und bittet, solche gleich durch das Mädchen mit der quittirten Rechnung mitzusenven. Da hierbei nichts zu riskiren war, so wird seinem Wunsche willfahrt und er marschirt ganz ruhig ins Pfarrhaus, nimmt vor der Stubenthüre dem Mädchen die Löffel ab, um sie dem Herrn Pfarrer zu zeigen und zu sehen, ob er zu sprechen sey. AlS er inS Zimmer kam, stellte er sich dem Geistlichen als einen Unglücklichen vor, welcher mit seinem jungen Weibe in Hader lebe, bat ihn, vermittelnd einzuschreiten, damit ihn seine junge Frau nicht verlasse, zu welchem Zwecke er solche mitgebracht habe. Natürlich war der Pfarrer gleich bereit, zu versuchen, die Eheleute zu vereinigen, bat ihn, seine Frau hereinzuführen, und der schlaue Dieb öffnete die Thüre, indem er zu dem Mädchen sagte: Der Herr Pfarrer will sie jetzt empfangen. Das Mädchen trat ein und der Dieb entfernte sich mit seinen zwölf Löffeln. Nun folgte gegenseitiges Staunen, denn das Mädchen wußte nicht, warum eS als Frau augeredet wurde und konnte noch weniger die tröstenden Zufprüche fassen, daher es sich einfach als Ladenmädchen prâsentirte, welches Geld für die zwölf silbernen Löffel holen wolle. Jetzt folgte die einfache Aufklärung, aber zu spät, denn von dem Dieb ist jede Spur verschwunden.
Ein Kellner ist mit Unterschlagung von 2—300 fl, zum Nachtheile deS Wirthes auS einem hiesigen Gasthose durchgegangen.
Ein Gauner, der in hiestgenWirthschaften viel pumpte, indem er mit singirten Geld- rollen um sich warf, die sich bei Oeffnung als mit Sand gefüllt erwiesen, wurde verhaftet.
Fastnacht Dienstag giebt die Gesellschaft Flora einen Ball, welcher sich wie immer durch seine reiche Decoration auözeichnett wird. □
KmrA-, Literatur- und Theater -Roèizen»
Der Inhalt der neuen Oper Meyerbeer'S: „der Nordstern", ist einer interessanten Episode der russischen Geschichte entlehnt, und die beiden Hauptpersonen find Peter der Große und Katharina die Erste. Das Genie Petrr'S und der Muth Katharinen'S werden darin bis in die Wolken erhoben. Dieß schien der Censur unangemessen und sie wollte daS Stück nicht passtrcn lassen. Der Kaiser jedoch hob ihr Veto zu Gunsten der prachtvollen Partitur Meyerbeer'S auf, welche gegenwärtig die Pariser Künstler in Entzücken versetzt.
Veranlaßt durch daS Verlangen nach einer neuen Sammlung von Harzsagen, welches Jacob Grimm in der zweiten Auflage der „Deutschen Mythologie" auSsprach, hat der rüstige Sagensorscher Heinr. Prahle „Harzsagen", gesammelt auf dem Oberharz in der Gegend von Harzburg und GoSlar viS zur Grafschaft Hohnstein und bis Nordhausen (Leipzig, bet Avenarius und Mendelssohn), herauSgegeben, in welchen die Sagen vollständiger als vielleicht aus irgend einer andern Gegend Deutschlands zusam- mengestellt sind. Diese Sagenwelt gibt einen recht tiefen Blick in das Herz des Volkes auf dem Harze, wo die Sage noch fort und fort im Volksmunde Blüthen treibt, wie „die verwiesene Papiermüllerin", „Branntweinstein", „der Cholerageist" u. s. w. beweisen.
In Brüssel wird in diesem Jahre wieder eine großartige Kunstausstellung stattfinden, und zwar vom 1. August bis zum 30. September. Die Künstler aller Nationen werden in diesem Jahre, wie 1851, wo 314 fremde Künstler ausstellten, zur Beschickung der Ausstellung eingeladen und ihnen alle möglichen Erleichterungen gewährt werden.