Neueste Nachrichten
I *** Mainz. Die viel besprochenen Gemeinderathswahlen haben am 9. dieses Monats in hiesiger Stadt begonnen, und, wie nicht anders zu erwarten stand, die leicht erregbare Phantasie unserer Bewohner in große Thätigkeit versetzt. Die ultraradicale Wahl vom Oct. 1852 ist bekanntlich ohne Resultat geblieben. Ultramontane und ultraradicale, zwei Uebel, die, fortgesetzt, jedes nach seiner Weise, gemeinschädlich an dem geistigen und materiellen Leben unserer Bürgerschaft nagen, setzen wieder alle Hebel in Bewegung, um den Wahlsieg zu erringen. Dagegen bemühet sich dießmal die Mittelpartei, der Kern unserer Bürgerschaft, ernstlich, um eine Vermittlung herbeizuführen, um unsere Stadt vor den nachhaltigen Folgen zu bewahren, welche diese politischen und religiösen Eiferer provoziren. Dieß entschiedene Vorgehen der Mittelpartei ist indeß schon ein Gewinn. Die Spalten unserer Lokalblätter, die von Ansprachen und Candidatenlisten überfüllt sind, bestätigen das Vorstehende, und geben dem Beobachter Anlaß zu ernsten Betrachtungen.
*** Aus der Pfalz. In Neustadt hat sich ein Zweigverein des St. Johannisvereins gebildet. — Von dem gr. Stadtamt in Mannheim wurde die Unterdrückung von Nr. 21 der Pfälzer Zeitung ausgesprochen.
*** Aus Thüringen. Nach Allem, was man unseren Höfen (von denen bekanntlich der weimar'schè in sehr naher verwandtschaftlicher Beziehung sowohl zu der russischen Kaiserfamilie wie zu dem preußischen Königshause steht) auch nur andeutungsweise über die orientalische Frage vernimmt, scheint es keinem Zweifel zu unterliegen, daß das preußische Cabinet einer Annäherung an Rußland entschieden abgeneigt ist, und daß die Anhänger der Kreuzzeitungspartei, welche die Regierung so gern zu einer, in ihrem Sinne identischen conservativen und russisch-freundlichen Politik hindrängen möchten, um so weniger Hoffnung auf Erfolg haben, als die preußischen Staatsmänner sich nicht verhehlen, daß gerade Rußland es ist, welches durch seine Verletzung der Integrität des türkischen Reichs selbst gegen das conservative Prinzip sich vergangen, und daß die etwa vorhandenen revolutionären Elemente erst durch einen Bruch mit den Westmächten gefährlich werden möchten, während die Verbindung mit den letzteren, und überhaupt die Befolgung einer nationalen Politik, diese Elemente gar nicht zum Ausbruch kommen lassen würden.
Zu der im vorigen Jahre in Gotha veranstalteten thüringischen Gewerbe-Ausstellung hatten auch mehrere Fabrikanten der Provinz Sachsen Proben ihrer Industrie eingesandt. Dieselben haben dort großentheils hohe Anerkennung gesunden, und hat die inländische Industrie auch bet dieser Bewerbung viele Preise und andere Auszeichnungen errungen, welche den Betheiligten jüngst zugegangen sind.
V Krajowa. Die allgemeine Vermuthung, daß am 28. v. M. die Operationen gegen Calafat wieder ausgenommen werden würden, hat sich nicht bewährt. Trotz der mit bedeutenden Truppenmassen an jenem Tage vorgenommenen RecognoScirung, kam es nicht einmal zu einem Vorpostengefechte, obwohl die in jener Richtung vorgeschobenen türkischen Cavallerieposten deutlich die Absicht an den Tag legten, die Ruffen gegen die Verschanzungen von Kalafat weiter hinaus zu locken. Die Ursache dieser Bewegung unterliegt [nun keinem Zweifel mehr. Nachdem es den russischen Befehlshabern nicht gelang, weder auf der geraden Straße von Radovan aus, noch von Cetate her, Kalafat so weit sich zu nähern, um von der Art und Beschaffenheit der türkischen Befestigungen eine genauere Kenntniß zu erhalten, entschlossen sie sich, denselben Zweck von Barlestl aus zu erreichen. Ob eS ihnen besser gelungen seyn wird, weiß natürlich Niemand; aber jedenfalls eignet sich die Lage von Bailesti mehr dazu, als jede andere. Das Centrum des russischen Corps dehnt sich nun von Radovan links bis etwa eine Stunde südwärts von Bailesti gegen die Poiana des Fürsten Milosch. Dicses Dorf selbst ist von den Türken besetzt. Man drang am 28. und 29. bis vor Maglavitu und Golenza; aber am 30. haben sich die Ruffen von diesen Ortschaften wieder zurückgezogen.